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Wiesbaden schafft die Wende

Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun

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Die Wende ist geschafft!

Das Museum Wiesbaden, als Einrichtung des Landes Hessen, übertrug kürzlich das Eigentum an dem Gemälde „Die Labung“ (1879/80) von Hans von Marées (1837–1887) an die Erben des Industriellen und Kunstsammlers Max Silberberg. Anschließend  wurde das Werk vom Museum Wiesbaden für die Kunstsammlungen erworben.

Im Zuge der Provenienzforschung am Hause hatte sich herausgestellt, dass das seit 1980 als Schenkung von einem Wiesbadener Ehepaar dem Museum Wiesbaden überlassene Gemälde zuvor im Jahr 1935 von dessen jüdischem Besitzer Max Silberberg auf eine Auktion bei Paul Graupe, Berlin gegeben wurde.

In Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gelangte das Museum Wiesbaden zu dem Schluss, dass der damalige Verkauf des Werkes während des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt zustande kam, und dass das Gemälde demzufolge auf Grundlage der Washingtoner Prinzipien von 1998 und der Berliner Erklärung von 1999 an die Erben von Max Silberberg zurückzugeben ist. Diese zeigten sich im Anschluss an die Restitution gerne bereit, das Werk dem Museum Wiesbaden zum Kauf anzubieten.

Max Silberberg und „Die Labung“

Das Gemälde „Die Labung“ von Hans von Marées gehörte einst dem jüdischen Kaufmann Max Silberberg, der mit seiner Familie in Breslau lebte. Er leitete ein erfolgreiches Unternehmen, das die Stahlindustrie mit Magnesit-Erzeugnissen belieferte. Silberberg engagierte sich im Breslauer Kulturleben und trug dort gleichzeitig eine bedeutende private Kunstsammlung zusammen. Der Schwerpunkt seiner Sammlung lag im Bereich der deutschen und französischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Silberberg besaß Werke von Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Auguste Rodin, Max Liebermann und Max Beckmann und eben Hans von Marées.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 verlor Silberberg alle öffentlichen Ämter. 1935 wurde er zum Verkauf seiner Villa gezwungen. Gleichzeitig musste er sich vom größten Teil seiner mehr als 200 Werke umfassenden Kunstsammlung trennen. Diese wurde in mehreren Auktionen in dem Berliner Auktionshaus Graupe versteigert. Am 23. März 1935 gelangte so auch das Gemälde „Die Labung“ von Hans von Marées aus der Sammlung Silberberg zur Versteigerung. Max und Johanna Silberberg wurden im Oktober 1941 zwangsweise im Sammellager im Kloster Grüssau untergebracht, von dort im Mai 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet. Das Gemälde „Die Labung“ wurde von Rose und Friedrich Klein erworben, die das Bild 1980 als Teil einer Schenkung dem Museum Wiesbaden übergaben.

Im Museum Wiesbaden wird in den Provenienzangaben zu Hans von Marées‘ Gemälde zukünftig stets auf dessen Herkunft aus der Sammlung Max Silberberg, auf die Schenkung der Eheleute Klein, die Restitution und den anschließenden Ankauf durch das Museum Wiesbaden verwiesen.

Die Kampagne

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein vollzog am 7. November 2014 im Museum Wiesbaden symbolisch die Bildwende, die besagt, dass die für den gewünschten Ankauf des Gemäldes benötigten Finanzmittel zusammengekommen sind und das Bild damit in den Kunstsammlungen des Museums Wiesbaden verbleiben kann. Den Ankauf des Gemäldes unterstützten die Kulturstiftung der Länder, die Freunde des Museums Wiesbaden e.V., die Hessische Kulturstiftung sowie die Wiesbadener Bürgerschaft, die über die Kampagne „Wiesbaden schafft die Wende“ aufgerufen war, mit ihrer Spende einen Beitrag für den Ankauf zu leisten.

Schirmherr der Kampagne ist Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein, er erklärte hierzu: „Die Kampagne macht aber auch auf das von den Nationalsozialisten verübte Unrecht aufmerksam. Deshalb habe ich gerne die Schirmherrschaft übernommen, denn diesem Unrecht müssen wir uns stellen. Nur so können wir deutlich machen, dass wir nicht vergessen, was in der NS-Zeit passiert ist. Unser Ziel ist es, das geschehene Unrecht aktiv aufzuarbeiten, beispielsweise mit Hilfe der Provenienzforschung in unseren Landesmuseen.“

Dr. Alexander Klar, Direktor des Museums Wiesbaden, freute sich, dass die Einzigartigkeit der Kampagne weit über die Grenzen der Landeshauptstadt wahrgenommen wurde. „Die Initiative gelangte sogar ins Rampenlicht der internationalen Medien; das alles ist für unser Vorhaben eine einmalige Chance, aber natürlich nun auch eine Verpflichtung.“