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Ästhetik der Natur

 

Die Ausstellung Ästhetik der Natur schlägt mit ihren vier Themenräumen Form, Farbe, Bewegung und Zeit eine Brücke zwischen Kunst und Natur. Das Beobachten und Beschreiben der Natur steht dabei im Mittelpunkt. Auf den Spuren der Erd- und Evolutionsgeschichte wird die formenreiche und farbenprächtige Vielfalt der Natur präsentiert.

Farbe

Die Farben und Muster der Natur rufen Begeisterung, Staunen und Verwunderung hervor: Der auffällige Federschmuck der männlichen Pfauen, das funktional weiße Fell der Eisbären, die abschreckenden Augenfärbungen und baumrindenähnlichen Muster auf Schmetterlingsflügeln. Das alles sind Erscheinungen, die im Laufe der Evolution entstanden sind. Über tausend Schmetterlinge, hunderte von Vögeln, zahlreiche Säugetiere und Pflanzen vermitteln einen Eindruck von den unterschiedlichen Strategien und allgemeinen Regeln des Tarnens und Täuschens, des Werbens und Warnens. Mit dem Blick auf die Farbenpracht und die Tarntrachten werden viele Fragen rund um das Thema Farbe beantwortet. 

Etwa, wie die Farbe Rot in die Feder kommt und warum ein Raubtier dieses Rot nicht sehen kann. Wie die schillernden Farben eines Kolibris entstehen und warum das Fell eines Seidenäffchens so stark glänzt. 

Die Farben der Natur fordern nicht nur die Wissenschaft heraus. Der künstlerische, gestaltende Mensch sucht seit tausenden von Jahren nach geeigneten Mitteln, Farben in allen Nuancen ins Bild zu setzen. Mineralische Pigmente, Pflanzenfarbstoffe und kulturgeschichtlich bedeutende synthetische Farbmittel vervollständigen die Schau über die Farben der Natur und die Natur der Farbe.

Form

Der Formenreichtum der Natur scheint unerschöpflich zu sein. Muscheln, deren Schalen in zarte Falten gelegt oder in wuchtigen Würfeln ausgebildet sind. Schnecken, die ihr Haus mit anderen Schneckenhäusern bestücken. Manche Krebse haben hochspezialisierte Schwimmbeine, die Anderen imponieren mit mächtigen Scheren. Seesterne gleichen Blumen und die Schönheit der zarten Stacheln mancher Seeigel lässt deren Gefährlichkeit in Vergessenheit geraten. Verschiedenste Schädelkonstruktionen vom riesigen Elefanten- bis zum kleinsten Fledermausschädel lassen erkennen, dass jede natürliche Form im Dienste des Organismus gut funktionieren muss. Ob Wasser- oder Landbewohner, jedes Tier und jede Pflanze zeugt davon, wie im Laufe der Evolution immer neue Antworten auf die Anforderungen des Lebens gefunden wurden. Mit den zahlreichen Schauobjekten werden Grundprinzipien der Formentstehung in der Natur präsentiert. Die Vielfalt an Früchten und Samen verdeutlicht dazu, wie der Mensch sich das Formbildungsvermögen der Natur zunutze gemacht hat. Mit der Ausstrahlungskraft der Objekte wirbt die Ausstellung für den Eigenwert der Natur. Darüber hinaus haben Naturformen seit Jahrhunderten das künstlerische Schaffen des Menschen angeregt. Der Biologe Ernst Haeckel (1834—1919) ließ sich von den Symmetrien natürlicher Formen faszinieren und sprach von den "Kunstformen der Natur". 

Bewegung

Was lebt, bewegt sich, sei es im Wasser, auf dem Land oder in der Luft. In der Ausstellung können die Besucher ganz dicht an freiplatzierte Schaustücke herantreten und die Kraft und Eleganz der Tiere beim Schwimmen, Laufen und Fliegen erleben. 

Eine Gruppe von Hammerhaien durchschwimmt den Saal auf Patrouille. Springböcke flüchten im rasenden Lauf vor einem Geparden und sieben Schwäne fliegen dicht über die Besucher hinweg. Verschiedene weitere Exponate demonstrieren die biologischen Voraussetzungen für Bewegung und die zahlreichen Varianten, die im Laufe der Evolution für das Schwimmen, Laufen und Fliegen entstanden sind. Dass der Mensch schon früh auch die besondere Ästhetik der Bewegung entdeckt hat und in neuester Zeit das Medium des Films zur Dokumentation und künstlerischen Darstellung von Bewegung nutzt, zeigen verschiedene Filmbeiträge. 

Zeit 

Mit Versteinerungen aus der Region blickt die Ausstellung auf die Entstehungsgeschichte der heutigen Tiere und Pflanzen zurück. Vor 400 Millionen Jahren, als Hessen noch ein großes Meer war, lebten hier Schwämme, Korallen, Seelilien, Muscheln, Schnecken und Tintenfische. Auch die heute nicht mehr existierenden Trilobiten und Panzerfische zeugen vom Leben im Erdaltertum. Im Tertiär sah die Welt wieder ganz anders aus. Im flachen Meer jagten Riesenhaie Seekühe. Sumpflandschaften boten Lebensraum für Krokodile, Schildkröten, Fische und Frösche. Die Überreste dieser Pflanzen- und Tierwelt stammen aus 12 bis 38 Millionen Jahre alten Ablagerungen einer Meeresbucht auf der Fläche von Rheinhessen, dem Mainzer Becken. In jüngeren Ablagerungen des Ur-Mains und der Lahnmulde wurden Mammuts, Waldelefanten, Flusspferde, Hyänen, Hirsche und Bären gefunden. Die ältesten dieser Versteinerungen sind 890.000 Jahre alt, die jüngsten 20.000 Jahre. In dieser Zeit gab es mehrere starke Klimaveränderungen, die die Lebensgemeinschaften prägten. Der wärmeliebende Waldelefant lebte nicht zeitgleich mit dem Mammut der Kältesteppen. Die frühen Menschen der Eiszeit hielten ihre Eindrücke der Lebenswelten mit großer Kunstfertigkeit in Höhlenmalereien fest.