Ehrenamt am Museum Wiesbaden

HINTER DEN KULISSEN

Gruppenbild der an einem Mittwoch versammelten Ehrenamtlichen aus dem Bereich Natur. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Nutzbringende Freizeit

Ehrenämter sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet und ohne dieses Engagement stünden die Räder meist still. Dies trifft auch auf Teile des Museums zu, denn seit mehr als zwanzig Jahren werden die Naturhistorischen Sammlungen so unterstützt.

Mancher Gast, der die Abteilung hinter den Kulissen besucht, staunt nicht schlecht, wie sich morgendlich das Haus füllt mit Menschen unterschiedlichster Interessen und Voraussetzungen, die aber alle nur durch ein Dankeschön vergütet werden. Und wenn man in die nun fast zweihundertjährige Geschichte blickt, kann man erkennen, dass beispielsweise im 19. Jahrhundert nur sehr wenige hauptamtliche Bezahlung erhielten, ja, dass sogar die Stelle des Direktors des Naturmuseums oft unvergütet blieb. Beispielhaft sei Dr. Arnold Pagenstecher genannt, der von 1882 bis 1900 das damals noch selbständige Naturmuseum leitete.

Die Stadtgesellschaft ist seitdem stark angewachsen und Dank der vielgestaltigen Kommunikation finden sich immer wieder an Naturkunde Interessierte im Museum ein. Nach ersten Gesprächen über die Möglichkeiten einer Beteiligung, folgt ein ausgiebiges Testen, ob die gewählte Tätigkeit passt.

Frau Kafitz mit dem Museumswagen in der Formen-Ausstellung. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Frau Kafitz mit dem Museumswagen in der Formen-Ausstellung. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Beginnen möchte ich mit einer Tätigkeit, die in den Museen der Neuen Welt überwiegend und sehr gerne geleistet wird, dagegen in Europa meist unbesetzt bleibt. Es geht dabei um den direkten Kontakt mit den Gästen der Ausstellungen. 

Frau Alexandra Kafitz, Frau Marianne Sengebusch und Herr Christos Ott begrüßen regelmäßig mit ihren Museumswagen alle Altersstufen im Formen- und Farbenraum. Dabei präsentieren sie Exponate und Hintergrundinformationen, beispielsweise zu den Farben oder den Zähnen. Die Besucher sind von diesem Angebot sehr angetan, können die Dinge einmal anfassen und erfahren etwas aus erster Hand. Voraussetzung ist dabei natürlich ein eigenes Studium des Themas und vereint mit der eigenen Biographie lassen sich Jung und Alt begeistern.

Unterstützung hinter den Kulissen

Wesentlich häufiger entscheiden sich die Freiwilligen für die Arbeit hinter den Kulissen. Da geht es meist ruhiger zu und die Sammlungsobjekte beißen und rufen nicht … es ist meist still. Bei geschätzten 1,25 Millionen Objekten findet sich immer ein noch unbearbeiteter Bereich und selten kann eine gesetzte Aufgabe in Lebenszeit erfüllt werden.

So ergeht es sicher Frau Christiane Matten, die sich bereiterklärt hat, eine sehr umfangreiche Fossilien-Sammlung zu digitalisieren. 

Das Museum hofft natürlich, dass sie weiterhin so grandiose Geduld mit den Unzulänglichkeiten von Etiketten und den wenigen erreichbaren Datenbanken hat. Und dann zeigt sich nicht selten ein aufkeimendes und tieferes Interesse an dem Sammlungsgut.

Aufarbeitung der Sammlung Gruner durch Frau Matten. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Aufarbeitung der Sammlung Gruner durch Frau Matten. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Frau Lenhardt montiert Herbarbelege. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Frau Lenhardt montiert Herbarbelege. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Frau Verena Lenhardt hat sich der Pflanzen angenommen und reist mit diesen an nahe und ferne Orte.

Die über 2.000 Pflanzen-Aquarelle von Johann Philipp Sandberger (1782–1844) prüft Frau Gudrun Mirgel und macht diese erstmals einer Öffentlichkeit nutzbar.

Die Aquarelle listet Frau Mirgel. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Die Aquarelle listet Frau Mirgel. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Herr Rassinger beim Fotografieren für die Dokumentation. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Herr Rassinger beim Fotografieren für die Dokumentation. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Schließlich kann mehrfach in der Woche die Familie Rassinger begrüßt werden. 

Frau Edith Rassinger organisiert die Bibliothek und Herr Klaus Rassinger war bereits bei ungezählten Projekte eingesetzt, was nicht zuletzt bei Wikipedia zu entdecken ist.

Man kann es ihnen ansehen, wie sie dafür brennen, Ordnung in das Chaos der Welt und Licht in die Sammlung zu bringen: 

Herr Alfred Westenberger beim Prüfen der Schmetterlinge und Herr Christopher Thomas beim Testen der Fluoreszenz.

Alfred Westenberger und die Schmetterlinge. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Alfred Westenberger und die Schmetterlinge. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Herr Thomas und das Reich der Mineralien. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Herr Thomas und das Reich der Mineralien. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Alle diese seien ebenso stellvertretend für die aktuell 31 aktiven Ehrenamtlichen genannt. Hier trifft lebenslange Passion für ein Fachgebiet auf die Wiesbadener Sammlung. 

Und wenn auch Sie den Besuchern die Ausstellungen erläutern oder die Depots beleben wollen, so freuen wir uns auf Ihren Besuch.


Fritz Geller-Grimm

Abteilungsleiter & Kurator
Naturwissenschaftliche Sammlungen

Diese Website verwendet Cookies. Mit dem Besuch der Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen.