Mi 15 Apr

Museum Wiesbaden erwirbt bedeutendes Frühwerk von Alexej von Jawlensky

Das Museum Wiesbaden beherbergt die bedeutendste Sammlung des Expressionisten und „Blauer Reiter“-Künstlers Alexej von Jawlensky. 2026 gelang es dem Hessischen Landesmuseum, ein bedeutendes Frühwerk des Wegbereiters der Modernen Kunst, Bahnhof-Füssen im März, zu erwerben. Ausgestellt wurde es seit 1956 in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Dank der Mitfinanzierung durch die Kulturstiftung der Länder und die Hessische Kulturstiftung war der Ankauf und folglich die Schließung einer Sammlungslücke möglich. Das frühe, noch zwischen Impressionismus und Expressionismus stehende Gemälde wurde heute im Kontext der Sonderausstellung „Feininger, Münter, Modersohn-Becker… Oder wie Kunst ins Museum kommt“ unter Anwesenheit des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, enthüllt.

Das Museum Wiesbaden bewahrt die weltweit bedeutendste Sammlung des Malers Alexej von Jawlensky (1864–1941). Bislang fehlt im Bestand ein Gemälde aus dem Füssenaufenthalt des Künstlers (März 1905). Diese Gemälde sind sehr rar, es sind lediglich zehn Werke im Catalogue Raisonne (Nr. 92–101) dokumentiert. Von diesen wenigen, im Allgäu geschaffenen Werken ist „Bahnhof-Füssen" das mit Abstand am häufigsten in der Literatur publizierte und ausgestellte Bild. Mit dieser Erwerbung, die 2026 in geschlossener Provenienzkette aus dem Nachlass des Künstlers im März 2026 für 350.000 CHF gelang, besitzt das Museum Wiesbaden jetzt 116 Arbeiten des Künstlers.

Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur:

„Mit dem Ankauf des Gemäldes „Bahnhof Füssen im März“ erweitert das Museum Wiesbaden seine herausragende Jawlensky-Sammlung um ein ganz wesentliches Werk, das aus einer Schaffensphase des Künstlers stammt, die bislang hier nicht vertreten war. Ein Erwerb dieser Größenordnung ist in Zeiten, in denen die Haushaltslage so angespannt ist wie aktuell, alles andere als selbstverständlich. Dass dieses Werk dennoch in die Sammlung des Museums Wiesbaden aufgenommen werden kann, verdanken wir der Unterstützung von Stiftungen und privaten Spenden. Dieses Engagement zeigt eindrucksvoll: Die Bewahrung unseres kulturellen Erbes gelingt nur gemeinsam.“

Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden, zur Neupräsentation der Jawlensky-Sammlung:

„Auf solch einem herausragenden Niveau sind Erwerbungen nur in einer gemeinsamen Anstrengung möglich. Wir danken gleichermaßen der Hessischen Kulturstiftung wie der Kulturstiftung der Länder, dass wir diesen Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers in einer konzentrierten Aktion realisieren konnten. Ein entscheidender Entwicklungsschritt im Werk Alexej von Jawlenskys kann somit dauerhaft der Öffentlichkeit vermittelt werden, denn das Gemälde wird eine zentrale Rolle in der Neupräsentation dieses Expressionismus-Künstlers, „Alexej von Jawlensky. Privat“, spielen, die wir im Herbst 2027 eröffnen werden.“

Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Jawlensky war Wiesbaden besonders verbunden und an der herausragenden Sammlung des Landesmuseums lässt sich eindrücklich seine künstlerische Entwicklung nachvollziehen. Mit ‚Bahnhof-Füssen im März‘ gelangt nun ein Schlüsselwerk aus einer Umbruchphase in den Bestand. Damit wird das Museum Wiesbaden als zentraler Ort der Jawlensky-Forschung weiter gestärkt, mit der Erwerbung werden wichtige neue Möglichkeiten für die Erschließung von Werk und Nachlass eröffnet.“

Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, zum Engagement der Stiftung:

„Wir freuen uns außerordentlich darüber, dass mit dem Erwerb von „Bahnhof-Füssen im März“ ein für die künstlerische Entwicklung Alexej von Jawlenskys derart bedeutendes Gemälde in dessen Wahlheimat Wiesbaden bewundert werden kann und eine Lücke in der herausragenden Sammlung seiner Kunst im hiesigen Museum schließt. Einen Beitrag hierzu zu leisten, war uns ein wichtiges Anliegen. Die Geschichte der Hessischen Kulturstiftung mit dem Museum Wiesbaden reicht bis 1988, dem Gründungsjahr der Stiftung, zurück. Seitdem konnten wir das Haus bei einer Vielzahl von Projekten unterstützen, wobei mit Blick auf Jawlensky besonders auf die Ankäufe der Gemälde „Heilandsgesicht: Ruhendes Licht“ (1921, erworben 2006) und „Stillleben mit Samowar“ (1901, erworben 2020) verwiesen sei. Unser sehr herzlicher Dank gilt dem Museum Wiesbaden, das uns durch Forschung, Ausstellungen und Kataloge, nicht zuletzt durch seine gezielte Ankaufspolitik immer neue Facetten des Schaffens Alexej von Jawlenskys näherbringt.“

Dr. Roman Zieglgänsberger, Kustos der Klassischen Moderne am Museum Wiesbaden, zur Bedeutung des Werks:

Das Gemälde „Bahnhof-Füssen im März“ markiert einen frühen, sehr entscheidenden Wendepunkt im Werk des Künstlers. Hatte Jawlensky bis dahin in München zunächst die deutschen Spätimpressionisten Lovis Corinth, Max Liebermann oder Max Slevogt rezipiert, im Anschluss daran die französischen

Pointilisten um Georges Seurat, muss er spätestens 1904 die Arbeiten Vincent van Goghs im Original gesehen haben. Kurz darauf, nämlich während seines Füssen-Aufenthaltes, ändert sich durch diese „Begegnung van Gogh“ die Malerei Jawlenskys merklich, der Pinselstrich wird rhythmischer, die Malerei flächiger, die Farben klarer. Einige der in Füssen entstanden Bilder sind noch als impressionistisch zu bezeichnen, während andere bereits diese neue Auffassung zeigen. „Bahnhof-Füssen im März“ ist sehr wahrscheinlich aufgrund der im unteren Bilddrittel sich zurückziehenden Schneedecke am Ende des Aufenthalts entstanden, als der „Impuls van Gogh“ kreativ verarbeitet war. Ab diesem Moment ist Jawlensky, der als erster deutschsprachiger Maler das Potential des Holländers für sich und seine Malerei zu nutzen wusste, auf dem Weg einer der ersten deutschen Expressionisten zu werden. Dieser doppelte Markstein – nicht nur im Werk Jawlenskys, sondern auch für die deutsche Kunstgeschichte – kann jetzt im Sammlungsrundgang am Beispiel des besonderen Landschaftsbildes vermittelt werden.

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