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Mi 18 Mär
Gift — Tödliche Gaben. Museum Wiesbaden eröffnet große Jahresausstellung der Naturhistorischen Sammlungen
Vom 20. März 2026 bis zum 4. April 2027 widmet sich das Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur – in einer großen Sonderausstellung dem Giftigen. Die natur- und kulturwissenschaftliche Ausstellung vereint unterschiedlichste Perspektiven: Sie zeigt nicht nur die beeindruckende Vielfalt giftiger Organismen, sondern beleuchtet auch den menschlichen Umgang mit giftigen Substanzen. Ein Blick in die Medizin verdeutlicht, dass Gifte nicht nur töten, sondern auch heilen können. Zahlreiche Arzneimittel basieren auf ursprünglich toxischen Substanzen – etwa das Digitoxin aus dem Fingerhut. So darf auch Paracelsus nicht fehlen, der einst postulierte: „Alle Ding sind Gift und nichts ohn Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“
Die Jahresausstellung der Naturhistorischen Sammlungen des Museums basiert auf zwei Säulen: Im ersten Bereich – „Gift und Natur“ – finden sich bekannte, giftige Vertreter wie Kobra und Skorpion Organismen. Zudem sind hier Organismen zu entdecken, deren Giftigkeit überraschen mag. Der Plumplori, der einzige giftige Primat, schützt seine Jungtiere indem er sein Gift in ihr Fell reibt. Auch das Schnabeltier besitzt einen Giftsporn, allerdings ist dieser nur bei den Männchen zu finden, die diesen bei Kämpfen mit konkurrierenden Männchen einsetzten. Daneben wird den Fragen nachgegangen: Was ist Gift überhaupt? Wie sind Gifte evolutionär entstanden? Welchen Vorteil hat es giftig zu sein? Und hat es auch Nachteile?
„Gift ist eine Strategie. Manche Arten nutzen Gift wie ein Schwert, um Beute schnell zu überwältigen. Andere nutzen es wie ein Schild, um nicht gefressen zu werden, “ erklärt Kuratorin Katriina Ott „In der Ausstellungkonzeption war es uns wichtig nicht nur giftige Organismen zu präsentieren, sondern dabei auch die dahinterstehende Funktion des Giftes zu erläutern.“
Eigens für die Ausstellung entstanden im Museum unter anderem ein lebensgroßes Modell einer Seewespe und ein Abguss eines Komodowarans. Mit großer Präzision schuf die Präparation herausragende Arbeiten. Die Seewespe steht für die Superlative unter den giftigen Tieren. Ihr potentes Gift kann bei Kontakt mit den Tentakeln innerhalb weniger Minuten zum Tode führen. Der Komodowaran hingegen gab lange Rätsel auf. Sein Biss galt als Ursache einer bakteriellen Infektion. Heute weiß man: Drüsen im Unterkiefer beherbergen ein Gift.
Neben den Pfeilgiftfrosch, der Gift aus seiner Nahrung in seiner Haut einlagert oder dem Clownfisch, welcher Schutz zwischen den Tentakeln der Seeanemone sucht, versteht auch der Mensch die Gifte aus seiner Umwelt für seine Zwecke zu nutzen – und auch ganz neue zu entwickeln. Der zweite Bereich der Ausstellung – „Mensch und Gift“ – beleuchtet die Kulturgeschichte des Giftes. Ausgehend von indigenen Völkern, die toxische Substanzen zur Jagd, rituellen Zwecken oder zur Berauschung einsetzen, richten wir unseren Blick auf Geschichte und Gegenwart. Pestizide auf Feldern, Arsen in Tapeten, Schierling im Becher, Wirkstoffe in Tabletten. Gifte sind vielschichtig; von sich aus weder gut noch böse.
Pestizide schädigen Insekten massiv und dezimieren das Bodenleben erheblich und doch tragen sie auch dazu bei, unsere Teller und Mägen zu günstigen Preisen zu füllen. Doch wie lange noch? Ein besonderes Augenmerk wurde in der Ausstellung auf den pharmazeutischen Einsatz von giftigen Substanzen gelegt: Tollkirsche, Fingerhut, Krustenechse und Kegelschnecken. Ihre toxischen Inhaltsstoffe dienten als Ausgangspunkt für die Entwicklung von Medikamenten wie einem Schmerzmittel aus dem Gift der Kegelschnecke oder im Fall der Krustenechse einem Diabetes-Medikament. Sinnbildlich steht der gut gefüllte Apotheker-schrank als Ausstellungselement für die Pharmazie und lädt zudem mit seinen 45 Schubladen zum Entdecken ein, welche Substanzen in der Vergangenheit in Apotheken zum Zwecke der Gesundheit zu erwerben waren.
Darüber hinaus bietet eine Multimedia-Station die Möglichkeit, die Auswirkungen unterschiedlicher Gifte auf den Körper zu untersuchen. Und manch Ausstellungsobjekt darf auch berührt werden wie die zwei Meter große Spinne aus Leder, die eigens für die Ausstellung gebaut wurde, oder der Abguss eines Narwalzahns. Dieser ist zwar nicht giftig, doch als „Horn von Einhörnern“ verstanden, schrieb man diesem im 12 Jhd. magische Kräfte zu, die vor Vergiftung schützen sollen.
Gifte mögen bedrohlich wirken und doch können sie auch schützen oder gar heilen. Das Gifte nicht schwarz oder weiß sind, hält uns bereits ihre Wortherkunft vor Augen, denn das Wort Gift stammt direkt vom Wort Geben – genau wie die Gabe. Die Jahresausstellung ist für alle Altersgruppen insbesondere für Familien und Schulklassen geeignet. Vielfältige Vermittlungsstationen wie das Quiz und die Multimedia Station Giftwirkung wurden speziell für junge Menschen konzipiert. Zudem steht eine kostenlose Mediatour zur Verfügung. Der begleitende Katalog zur Ausstellung erscheint voraussichtlich am 16.04.2026.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Programm begleitet: beispielsweise widmet sich eine Kooperation mit der Wiesbadener Caligari FilmBühne dem Thema Gift im Film (18.9.26, 18.01.27), während das Ausstellungsthema am 25. April zum Motto einer Party mit dem Schlachthof Wiesbaden wird. Weitere Informationen online unter: www.museum-wiesbaden.de/kalender
Unterstützt durch die Alfred Weigle Stiftung, den Nassauischen Verein für Naturkunde e.V und die Freunde des Museums Wiesbaden e.V. ARTE und hr2 sind Kulturpartner der Ausstellung.