Mi 04 Feb

Unter Druck

Museum Wiesbaden präsentiert in Kooperation mit dem Hessischen Landtag politische Plakate zwischen 1918 und 1933

Unter Druck, eine neue Plakatausstellung im Museum Wiesbaden zeigt auf, wie visuelle Kommunikation zwischen 1918 und 1933 von der Politik genutzt wurde: Zur Information, zur Einflussnahme aber auch zur Manipulation. Vom 6. Februar bis zum 9. August 2026 verdeutlichen 80 Plakate aus der Sammlung des Wiesbadeners Maximilian Karagöz, wie einfach Bilder Emotionen schüren, Feindbilder schaffen oder politische Stimmungen fundamentieren oder anheizen können.

„Die Region Frankfurt RheinMain trägt 2026 den Titel World Design Capital 2026. Das Motto „Design for Democracy“ bewegt uns dazu, gemeinsam mit dem Hessischen Landtag die „Kunst der Straße“ in Form politischer Plakate zu zeigen. Unser Beitrag ist die Plakatgestaltung während der Weimarer Republik. Im Juli präsentieren wir mit „Women & Type“ die visuelle Bildsprache internationaler Grafikerinnen und Typedesignerinnen der Gegenwart auf der Wilhelmstraße mit einem „Call for Flags“, sagt Andreas Henning, Direktor Museum Wiesbaden.

Im Gegensatz zur kommerziellen Werbung besitzt das politische Plakat in Deutschland keine lange Tradition. In Preußen existierten von 1849 bis 1914 rigorose Gesetzgebungen, das Werbung für politische Inhalte weitgehend verhinderte. Mit dem Ersten Weltkrieg erfolgte ein Umschwung und erstmals vermischten sich politische Inhalte mit den werberischen Plakatgestaltungen auf den Litfaßsäulen im öffentlichen Raum.

„Der November 1918 als Geburtsstunde der Weimarer Republik kann als Beginn der Blütezeit des politischen Plakats bezeichnet werden“, sagt Kurator Peter Forster. Plakate waren auf Litfaßsäulen, Bauzäunen, Schaufenstern, Häuserfassaden und Mauern präsent, klebte auf mobilen Propagandawagen oder den Umhängetafeln der „Sandwichmen“. Sie wurden immer großformatiger und farbiger, um die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erhalten. „Die Massenproduktion, ermöglicht durch die industrielle Revolution, hatte der Plakatwerbung eine neue Bedeutung zukommen lassen. Viele Kunstschaffende widmeten sich um 1900 diesem Medium und verhalfen ihm zu Ansehen und Anerkennung, insbesondere auch aus dem Kreis des Jugendstils. Nach ‚Plakatfrauen – Frauenplakaten‘ knüpft hier das Museum Wiesbaden mit seiner zweiten, diesem Medium gewidmeten Ausstellung an. Auch unter den Entwerfenden der politischen Plakate finden wir einige Künstlerinnen und Künstler aus dem Jugendstil, darunter Ludwig Hohlwein oder Lucian Bernhard“, so Forster.

Die politischen Akteure jener Zeit beauftragten Künstlerinnen und Künstler, Grafiker und Grafikerinnen sowie Typographen und Typographinnen. Die visuelle Kommunikation der jeweiligen Inhalte bediente sich am Repertoire der Werbegestaltungen, die mit den „lautesten“ Mitteln das Ziel des Verkaufs von Produkten verfolgten. Gesellschaftliche Konflikte, Kriegsgeschehen, Radikalisierung und gezielte Propaganda spiegeln sich in den Plakatgestaltungen von 1918 bis 1933 wider, insbesondere im Wahlkampf.

Mit Leihgaben aus der Wiesbadener Plakatsammlung von Maximilian Karagöz richtet die Kabinettausstellung im Museum Wiesbaden den Fokus auf die Zeit der Weimarer Republik bis hin zum Beginn der NS-Zeit. Politische Plakate glichen einer Kampfansage und machten den Wettbewerb der damaligen Parteien öffentlich sichtbar. „Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endete die Vielfalt der politischen Stimmen auf Plakaten im öffentlichen Raum, weshalb aus dieser Zeit keine Plakate in der Ausstellung gezeigt werden, “ erläutert Forster. Der Hessische Landtag hingegen blickt auf die Zeit ab 1945 bis 1991, die vom Kalten Krieg, vom Wirtschaftswunder und der deutschen Wiedervereinigung bestimmt war.

Unter Druck enthüllt, wie visuelle Kommunikation eingesetzt wurde – zur Information, zur Einflussnahme und auch zur Manipulation. Die historischen Plakate verdeutlichen, wie einfach Bilder Emotionen schüren, Feindbilder schaffen oder politische Stimmungen verändern können. Von faktischer Argumentation über sachliche bis hin zu emotionaler Ansprache oder gar bewusster Lüge öffnet sich ein breites Spektrum, das sich in den politischen Plakaten der folgenden Dekade weiterentwickelt.

Die gezeigten historischen Plakate enthalten Darstellungen und Botschaften, die wir heute als äußerst problematisch sehen und die von Rassismus, Sexismus und Anti-Semitismus geprägt sind. Gleichwohl ermöglichen sie uns eine Reflexion der heutigen politischen Werbung im öffentlichen Raum und zeigen auf, wie Kunst, Typographie und Gestaltung zum politischen Machtinstrument wurden.

„Es gilt nicht nur, den verführerischen Qualitäten einer wohl durchdachten und ausgeklügelten Propaganda eine klare Haltung entgegenzusetzen, sondern auch, die ihnen zugrun­de liegenden Methoden zu analysieren. Nur wenn es gelingt, ein Wissen um die künstlerischen und werbenden Strategien aufzubauen, die hinter einer vielleicht manipulierenden und subversiven Propaganda stehen, kann verhindert werden, dass die gleichen Mechanismen erneut erfolgreich einge­setzt werden.“ Peter Forster, Kurator

Zur Ausstellung erscheint im März der Katalog „Unter Druck. Politische Plakate 1918–1991“ beim Deutschen Kunstverlag.

In Kooperation mit dem Hessischen Landtag, der in einer Ausstellung (18 Mär—12 Apr 26) politische Plakate von 1945—1991 zeigt.

Die Ausstellung wurde unterstützt durch die Freunde des Museums Wiesbaden e.V. Hr2 ist Kulturpartner der Ausstellung.

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