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Wasser im Jugendstil
Heilsbringer und Todesschlund

13 Mai 22 — 23 Okt 22

Walter Crane, Die Rosse des Neptun, 1892, Neue Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München. Foto: bpk/ Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Wasser als Vexiermetapher zwischen symbolischem Heilmittel und zerstörerischer Urkraft ist in der Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts wie in kaum einer anderen Zeit derart gegenwärtig. Geboren aus der Dynamik der Natur, forderte der Jugendstil zu Anfang des 20. Jahrhunderts revolutionär eine genuin moderne und ihrer Zeit angemessene Kunst und fand diese in der Symbolik des Wassers. (Be)rauschende Wellen, mythologische Erzählungen des Ozeans oder die Abbildung nautischer Lebewesen wie Fische, Quallen und Muscheln, stellen Wasser als Sehnsuchtsort gattungsübergreifend von der Malerei bis in die Keramik dar. Es ist die künstliche Schaffung eines Imaginationsraums, der einerseits die tiefen Sehnsüchte und Träume der Menschen bediente und andererseits als geheimnisvolle Parallelwelt schaudern ließ.

Als Beitrag zum Wasser-Jahr 2022 widmet sich das Museum Wiesbaden dem Wasser im Jugendstil. Mit Exponaten, die einen expliziten Wiesbaden-Bezug aufweisen und mit einer Vielfalt regionaler, nationaler und internationaler Leihgaben, werden neue Perspektiven auf das Wasser als prominentes Thema im Jugendstil geworfen.

Die Melodie des Flusses

DER MENSCH UND DAS MEER

Freier mensch! das meer ist dir teuer allzeit ·
Es ist dein Spiegel · das meer · du kannst dich beschauen
In seiner wellen unendlichem rollendem grauen ·
In deinem geist ist ein abgrund nicht minder weit.

Charles Baudelaire, Les Fleurs du Mal, 1901, übersetzt von Stefan George

Freiheit am Meer — Vom Lebensquell zum Freizeitvergnügen

Der Tag am Meer etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einer beliebten Freizeitaktivität, was dazu führte, dass das Thema „Frau am Wasser“ in der Malerei Jugendstil naher Kunstschaffender eine neue Blüte erlebte. Völlig befreit von mythologischen Attributen vermittelt kaum ein anderes Bild der Ausstellung diese Leichtigkeit wie Max Nonnenbruchs (1857—1922) „Windsbraut“.

Max Nonnenbruch, Die Windsbraut, 1904, Familie Eisenreich. Foto: Haydar Koyupinar
Max Nonnenbruch, Die Windsbraut, 1904, Familie Eisenreich. Foto: Haydar Koyupinar
Hans Thoma, Drei Seeweiber, 1879, Städel Museum. Foto: bpk / Städel Museum
Hans Thoma, Drei Seeweiber, 1879, Städel Museum. Foto: bpk / Städel Museum

Symbolistische Welten — Die mythologische Kraft des Wassers

In der Kunst des Symbolismus stand eine Verbindung zur Mythologie im Zentrum ­— Kunstschaffende wurden magisch von der düsteren Abgründigkeit des Wassers angezogen. Mythos, Theater und Märchen treffen in symbolistisch aufgeladenen Scheinwelten aufeinander. Sowohl Nacktheit als auch existentielle menschliche Grenzerfahrungen konnten anhand dieses mythologischen Übergewandes autark dargestellt werden.

Unterwasserwelten — Kunstformen der Natur

Flora und Fauna am, auf und unter dem Wasser waren im Jugendstil beliebte Darstellungsthemen. Neue naturwissenschaftliche Forschungserkenntnisse des späten 19. Jahrhunderts sowie erste öffentlich zugängliche Aquarien weckten die Faszination für Unterwasserwelten. Diese erlebnisreichen Ozeanerfahrungen spiegelten sich wenig später in vielfältiger Weise, besonders in der Angewandten Kunst, wider.

Willem Gerrit Dijsselhof, Fische im Wasser, o. J., Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Willem Gerrit Dijsselhof, Fische im Wasser, o. J., Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Firma Victor Mayer Pforzheim, Brosche Nixe mit Ball, um 1906, Sammlung Ratz-Coradazzi. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Firma Victor Mayer Pforzheim, Brosche Nixe mit Ball, um 1906, Sammlung Ratz-Coradazzi. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Und überall das Wasser — Alltagsobjekte im Jugendstil

Da die Idee des Gesamtkunstwerkes sowie die Verschmelzung von Kunst und Leben im Jugendstil zentrale Aspekte darstellen, sind es neben klassischen Kunstwerken der Malerei oder Plastik vor allem auch Objekte des Alltäglichen, die durch den bedingungslosen Wunsch nach Gestaltung einen unverzichtbaren Teil dieser Ausstellung ausmachen.

Japanische Kunst als Quelle der Inspiration

Utagawa Hiroshige, Die Provinz Awa: der Strudel in der Windgepeitschten See, Blatt 55, MK&G Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Public Domain)
Utagawa Hiroshige, Die Provinz Awa: der Strudel in der Windgepeitschten See, Blatt 55, MK&G Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Public Domain)
Clément Massier, Vase mit Wellendekor, um 1900, Hessisches Landesmuseum Darmstadt. © Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Wolfgang Fuhrmannek
Clément Massier, Vase mit Wellendekor, um 1900, Hessisches Landesmuseum Darmstadt. © Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Wolfgang Fuhrmannek
Takashi Biho, Seidenreiher im Wasser, o. D., Museum Wiesbaden, Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Takashi Biho, Seidenreiher im Wasser, o. D., Museum Wiesbaden, Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Anonym, Japanische Dame auf einem Fisch , n.D., Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Anonym, Japanische Dame auf einem Fisch , n.D., Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Arnošt Hofbauer, Topičův Salon (Entwurf), 1898, MK&G Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Public Domain)
Arnošt Hofbauer, Topičův Salon (Entwurf), 1898, MK&G Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Public Domain)

Eine wahrhafte Quelle der Inspiration stellten die japanischen Farbholzschnitte Ukiyo-E und die Art, wie in ihnen Wasser stilisiert in unterschiedlichsten Zuständen wiedergegeben wird, dar. Die fernöstliche Auffassung des Naturelements Wasser und die Vorliebe für flächig, ornamental, stilisierte Formen wurden von der Jugendstil-Generation ebenso aufgegriffen, wie der angeschnittene oder fokussierte Blick auf die Struktur des Wassers.

"Wasser"-Objekte aus unserer Jugendstilsammlung F.W. Neess

Blick in die Ausstellung

alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Besuchen Sie auch die Ausstellung

Vom Wert des Wassers
Alles im Fluss?

22 Apr 22 — 5 Feb 23

Damals im Jugendstil

Begleitprogramm

IN KOOPERATION MIT
DFF Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V.

So 3 Jul, 20:00
Filmvorführung + Gespräch im DFF
Meerjungfrauen und andere Mythen
Gespräch mit Michael Kinzer (Medienkurator DFF) und Dr. Peter Forster (Kurator Museum Wiesbaden) über die kunst- und kulturwissenschaftliche Bedeutung von mythischen Meereswesen.
Im Anschluss, ca. 20:30 Uhr:
NIGHT TIDE (US 1961, R: Curtis Harrington, 86 min)
Matrose Dennis Hopper lernt eine mysteriöse Frau kennen. Handelt es sich bei ihr etwa um eine Meerjungfrau? 

Do 20 Okt, 18:00
Gesprächsabend im Museum Wiesbaden
Bewegung in bewegten Bildern — Wie das Wasser in der Filmgeschichte seinen Lauf nahm
Mit Michael Kinzer (Medienkurator DFF) und Dr. Peter Forster (Kurator Museum Wiesbaden)


VORTRÄGE

Do 8 Sep, 18:00
Geheimnisvolles Wasser in der Kunst der Jahrhundertwende
Mit Dr. Ingeborg Becker

Do 22 Sep, 18:00

Mit allen Wassern gewaschen — Eine literarische Betrachtung
Mit Wilma Estelmann

Do 29 Sep, 19:00
Alles im Fluss. Der Strom des Lebens in elektrischen Lampen des Jugendstils

Mit Thomas Moser


Kalender

Jun 22

Di 28
15:00 —16:00
60+

Wasser im Jugendstil — Heilsbringer und Todesschlund

In Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Wiesbaden bietet das Museum Wiesbaden einmal im Monat eine spezielle Führungen für Besucher der Altersgruppe 60+ an. Dabei werden in den Ausstellungsräumen auch Sitzgelegenheiten zur Verfügung gestellt.
4,— Euro inkl. Eintritt Anmeldung: erforderlich, nähere Informationen: Fon 0611/31 26 31, begrenzte Teilnehmer:innenzahl
Do 30
18:00 —19:00
ÖFFENTLICHE FÜHRUNG

Wasser im Jugendstil — Heilsbringer und Todesschlund

Als Beitrag zum Wasser-Jahr 2022 widmet sich das Museum Wiesbaden dem Wasser im Jugendstil. Die Ausstellung versammelt herausragende Objekte unterschiedlichster Medien. Tauchen Sie ein in die facettenreiche Welt des Wassers!
3,— Euro, zzgl. Eintritt Teilnehmerzahl begrenzt

Jul 22

Di 05
18:30 —19:30
KUNST & RELIGION

„Wie hingegossen“ — Emilio Longoni, La voce del ruscello, 1904

Mit Dr. Simone Husemann, Kunsthistorikerin & Dr. Stefan Scholz, kath. Theologe
Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

KUNSTverstehen und WELTverstehen treten in dieser Veranstaltungsreihe in einen Dialog miteinander. An einem Dienstagabend im Monat steht ein Kunstwerk des Wiesbadener Museums im Mittelpunkt. Dr. Simone Husemann, Kunsthistorikerin, und Dr. Stefan Scholz, Theologe, gestalten gemeinsam diese Veranstaltungen.

Die dem Kunstwerk eigenen Aussagen zu Gott, Welt und Mensch, zur ganzen Bandbreite existentieller Fragen, die uns als Menschen berühren, bieten den Besuchenden eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten. Kunst und Glaube sind wesensnotwendig aufeinander bezogen; sie befruchten einander und geben sich wechselseitig Impulse der Wirklichkeitsverarbeitung. Beide, Glaube und Kunst, stehen heute in einem Weltbezug.

3,— Euro, inkl. Eintritt
Do 07
18:00 —19:00
ÖFFENTLICHE FÜHRUNG

Wasser im Jugendstil — Heilsbringer und Todesschlund

Mit Dr. Annkatrin Kaul-Trivolis
Als Beitrag zum Wasser-Jahr 2022 widmet sich das Museum Wiesbaden dem Wasser im Jugendstil. Die Ausstellung versammelt herausragende Objekte unterschiedlichster Medien. Tauchen Sie ein in die facettenreiche Welt des Wassers!
3,— Euro, zzgl. Eintritt Teilnehmerzahl begrenzt

Weitere Termine

Wiesbadener Jahr des Wassers 2022

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Besuchen Sie auch unsere Jugendstil Sammlung F.W. Neess

Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

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