Do 21 Mai

Wiederentdeckung eines Dresdener Meisters. Ausstellung im Museum Wiesbaden würdigt das Lebenswerk des Jugendstilmalers und Symbolisten Georg Lührig

Viel zu lange zählte Georg Lührig (1868–1957) zu den vergessenen Dresdner Künstlern. Sein Lebenswerk schlummerte viele Jahre im Besitz seiner Nachfahren. Dank einem aufwändigen Restaurierungsprojekt wird im Museum Wiesbaden das Lebenswerk dieses Dresdener Meisters, der für seine Gemälde des Jungendstils und Symbolismus, seine monumentalen Wandfresken, aber auch für seine Malerei als Kriegsjournalist gefeiert wurde ausgestellt. „Jugendstil und Symbolismus: Georg Lührig. Ein Meister aus Dresden“ präsentiert vom 22. Mai 2026 bis zum 17. Januar 2027 über 100 Arbeiten. Höhepunkte der Schau sind großformatige Studien seiner monumentalen Wandgemälde, welche das damalige Königlichen Ministerium für Kultus und Unterricht und die Dreikönigsschule in Dresden schmückten, jedoch im Krieg zerstört wurden. Ergänzt durch interaktive Medienstationen wird Archiv-, Forschungs- und Museumsarbeit erlebbar.

Viel zu lange war Georg Lührig (Göttingen 1868 – 1957 Lichtenstein) ein vergessener Künstler Dresdens. Fast fünf Jahrzehnte lebte er an der Elbe. Zusammen mit den Künstlern Hans Unger, Sascha Schneider, Oskar Zwintscher und Richard Müller brachte er Jugendstil und Symbolismus in eine eigenständige, geheimnisvolle Bildsprache, die im Museum Wiesbaden wiederentdeckt werden kann. In Wiesbaden war Lührig zuletzt zwischen den Jahren 1909 und 1916 in zahlreichen Ausstellungen vertreten.

In der Frankfurter Zeitung vom 4. Januar 1914 wurde er als „geborener Meister der Monumentalmalerei“ gefeiert. Berühmt waren seine monumentalen Fresken und Wandbilder für öffentliche Gebäude (1904–1932) in Dresden, die im Krieg zerstört wurden.

„Sie sind als Herzstück seines OEuvres anzusehen und zeigen Lührigs kunsthistorische Bedeutung als herausragender Freskenmaler in Dresden. Diese Sternstücke der deutschen Monumentalmalerei sind unwiederbringlich verloren, entsprechend kommt den erhaltenen Entwürfen eine große kulturhistorische Bedeutung zu. Als zentrale Zeugnisse einer versunkenen Epoche deutscher Kunst dokumentieren sie maßgebliche Entwicklungen des Jugendstils und Symbolismus in Dresden, einer künstlerischen Hochburg um 1900,“ so Kurator Dr. Peter Forster, Kustos für Alte Meister und Jugendstil des Museums Wiesbaden.

Der Künstler experimentierte zudem in Landschaften, Tierdarstellungen und Porträts mit Kohle, Bleistift, Aquarell und Lithografie. Ein weiterer Schwerpunkt seines Schaffens sind seine Arbeiten aus Rumänien, das er von 1897 bis Ende der 1920er Jahre immer wieder besuchte. Lührigs Zeit als Kriegsmaler 1915/17 galt als besonders intensive Phase in seinem Schaffen. „Bilder von der Front in der Champagne“ nannte er die Ausstellung von 187 Handzeichnungen, gezeigt 1916 im Leipziger Kunstverein. Im selben Jahr erfolgte auch die Berufung Lührigs an die Akademie für Bildende Künste Dresden als Professor für Malerei, Zeichnung, Grafik und Naturstudien. Trotz seiner Ausbildung an der Kunstakademie München (1885–1889) verstand er sich zeitlebens als Autodidakt – eine Haltung, die auch seine Lehrtätigkeit an der Dresdner Kunstakademie (1916–1934) prägte. Als erster Rektor der Akademie nach dem Krieg hatte er maßgeblichen Anteil an deren Reform, an Neugestaltung von Unterricht und Einführung der Selbstverwaltung. Expressionismus und Neue Sachlichkeit, die in den zwanziger Jahren die Kunstszene dominierten, stand Lührig eher kritisch gegenüber.

Durch die Übereignung eines umfangreichen Nachlasses aus der Familie des Künstlers an das Museum Wiesbaden konnte ein aufwendiges Restaurierungsprojekt von Lührigs großformatigen Vorzeichnungen und Ölstudien angestoßen werden.

„Wir danken allen Familienmitgliedern für das Vertrauen und die Großzügigkeit, mit der dieses Konvolut von über 30 Werken nun dauerhaft für die Öffentlichkeit erhalten werden kann, “ unterstreicht Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden. „Die Restaurierung wurde ermöglicht durch die Kulturstiftung der Länder und der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder. Ihnen gilt unser großer Dank, genauso wie der Ernst von Siemens Kunststiftung für die Förderung des Katalogs Die digitalen Vermittlungsstationen wie die virtuelle Rekonstruktion der verlorenen Wandfresken wurden vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation gefördert. Nachdem wir 2023 mit der Ausstellung zu Oskar Zwintscher unseren Jungendstil-Schwerpunkt um eine malerisch hochqualitative Position ausgebaut haben, freuen wir uns nun, mit Georg Lührig einen seiner Kollegen an der Dresdner Kunstakademie zu entdecken.“

Die Ausstellung lädt dazu ein, Georg Lührigs Werk auch digital zu erkunden. Interaktive Stationen machen zerstörte Wandfresken sichtbar, verbinden Fragmente zu neuen Bildern und ermöglichen es, Kunst aktiv zu entdecken – zugleich gewähren sie Einblicke in Archiv-, Forschungs- und Museumsarbeit: Acht Themenbereiche — von frühen Studien bis zu monumentalen Fresken — eröffnen vielfältige Einblicke in Lührigs Schaffen. Auch Werke, die nicht ausgestellt werden können, werden hier zugänglich. Die zerstörten Fresken „Der Tag — Sieg des Lichts“ und „Die Nacht“ werden auf Grundlage historischer Vorlagen rekonstruiert und als großformatige Projektion wieder erfahrbar.

„Das Museum Wiesbaden leistet einen wichtigen Beitrag dazu, das Werk von Georg Lührig präsent zu halten und auch zerstörtes Kulturgut mithilfe virtueller Rekonstruktionen erfahrbar zu machen. Verlässliche, öffentlich verfügbare Kulturdaten sind eine zentrale Grundlage für Forschung und Wissenschaft – gerade auch mit Blick auf zukünftige digitale Anwendungen. Ich danke allen, die mit ihrem Einsatz und ihrer Unterstützung diese Ausstellung ermöglicht haben, “ so Staatsminister Timon Gremmels, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur.

Zur Ausstellung erscheint der gleichnamige Katalog (herausgegeben von Peter Forster für das Museum Wiesbaden) beim Deutschen Kunstverlag, 255 Seiten, 34 € an der Museumskasse, ISBN 9783422803954). Eine kostenfreie Media-Tour in der MuWi-App begleitet die Schau.

Weitere Informationen online unter: www.museum-wiesbaden.de/kalender

Die Ausstellung im Landesmuseum wird gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Kulturstiftung der Länder, den Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder, MedicalSyn und dem Verein der Freunde des Museums Wiesbaden. Hr2 ist Kulturpartner der Ausstellung.

Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und lnnovation gefördert.

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