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Fr 10 Jul
„Women* & Type. Call for Flags“, ein gemeinschaftliches Projekt des Museums Wiesbaden mit dem Institut Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz, präsentiert 18 international renommierte Designerinnen mit typografischen Statements im öffentlichen Raum. Anlässlich »World Design Capital Frankfurt RheinMain« wird vom 10. Juli bis zum 4. Oktober 2026 zeitgenössische, feministische Typografie mit Forderungen, Gedanken und Perspektiven auf Typografie und Gleichberechtigung im Type-Design auf der Wilhelmstraße in Wiesbaden gehisst. Die öffentliche Schau wird umrahmt von einer „Hall of Femmes“ im Museum Wiesbaden und einem Studienprojekt im LUX, Pavillon der Hochschule Mainz.
Das Museum Wiesbaden hat ein neues Ausstellungsformat initiiert, das gestalterische Positionen von internationalen Typografinnen in den Fokus nimmt. Der Bereich Typografie (Gestaltung mit Schrift) und Type-Design (Gestaltung von Schrift) ist traditionell männlich dominiert. Seit der Erfindung des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern waren ausschließlich Männer in den Werkstätten der „Schwarzen Kunst“ zugelassen.
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war es Frauen untersagt, als Schriftsetzerinnen oder Schriftentwerferin professionell tätig zu werden.
Erst in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts waren sie zum Schriftunterricht an Kunst- und Designhochschulen zugelassen; in dieser Zeit öffneten sich zwar auch die deutschen Buchdruckerverbände langsam und ließen Frauen zu – eine gleichberechtigte Zusammenarbeit ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Entsprechend sind die Auswirkungen dieser misogynen Tendenzen im Type-Design und in der Typografie noch bis heute zu spüren: geringere Teilhabe in Jurys, Redaktionen, Gremien, Leitungsebenen, Lehrstühlen, führen zu geringerer Öffentlichkeit, geringerer Wirksamkeit. Das Museum Wiesbaden reagiert mit Flagge.
„Type-Design begegnet uns allen tagtäglich im analogen wie digitalen Raum – sämtliche schriftlichen Informationen, die wir wahrnehmen, werden von Schrift übermittelt. Es ist eine großartige Möglichkeit und absolut richtig, dass die Flaggen von Women* & Type – Call for Flags mitten in Wiesbaden entlang der ‚Rue‘ – als offener Ausstellungsraum – die Perspektiven und Forderungen der Künstlerinnen und Type-Designerinnen auf die Straße tragen. Sie sind damit im besten Sinne ‚Designs for Democracy‘, “ so Jana Dennhard, Kuratorin der Ausstellung.
Achtzehn Fahnen verhandeln Fragen nach vermeintlichen „Regelwerken“ von Typografie, wie Schriftbilder inklusiv sein können, erinnern an autoritäre Unterdrückung von Frauenrechten, was Weiblichkeit eigentlich bedeutet, über strukturelle Unsichtbarmachung – und das Streben nach Freiheit.
Flagge zeigen für Demokratie — Über einen »Call for Flags« wurden 18 international renommierte Designerinnen eingeladen mit typografisch gestalteten Flaggen die Wiesbadener Flaniermeile „Rue“ zu bespielen. Das Museum wiederum präsentiert im Oktogon die konzeptuellen Überlegungen und individuellen gestalterischen Positionen der Typografinnen und Type Designerinnen, während der LUX-Pavillon der Hochschule Mainz parallel zum Wiesbadener „Call for Flags“ achtzehn typografische Flaggen junger Gestalter:innen aus dem Studiengang Kommunikationsdesign zeigt.
Teilnehmende Gestalterinnen:
Tereza Bettinardi (São Paulo, Brasilien)
Camille Circlude (Bye Bye Binary) (Brüssel, Belgien)
Benedetta Crippa (Stockholm, Schweden)
Rejane Dal Bello (London, UK / Rio de Janeiro, Brasilien)
Loraine Furter (Brüssel, Belgien)
Minjoo Ham (Berlin, Deutschland / Seoul, Südkorea)
Anja Kaiser (Leipzig, Deutschland)
Golnar Katrahmani (Sari, Iran / Berlin, Deutschland)
Katie Kerr (Tāmaki Makaurau, Auckland / Aotearoa, Neuseeland)
Lavinia Lascaris (Athens, Griechenland / Los Angeles, USA)
Anja Lutz (Berlin, Deutschland)
Verónica Majluf (Lima, Perú)
Flávia Nalon (São Paulo, Brasilien / Hamburg, Deutschland)
Evi O. (Sydney, Australien)
Lizá Marie Défossez Ramalho (Porto, Portugal)
Elaine Ramos (São Paulo, Brasilien)
Tereza Ruller (Amsterdam, Niederlande)
Yah-Leng Yu (Singapur)
»Women* & Type« ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Museum Wiesbaden und dem Institut Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz.
Ein Projekt im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain (WDC) 2026 zum Thema „Design for Democracy. Atmospheres for a better Life“. WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Ausstellungsorte:
Fahnenparcours auf der Wilhelmstraße
Die historischen Fassaden der Wilhelmstraße, gesäumt von Museen und Galerien, werden zum offenen Ausstellungsraum für die Arbeiten des „Call for Flags“. Das Projekt erprobt ein neues Format: Ausgehend von der Tradition des Plakats als „Kunst der Straße“ fragt der Parcours nach den Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst – und nach den Verbindungen zwischen Design, Kommerz und öffentlicher Wahrnehmung. Ein fließender Dialog zwischen Stadt, Kunst und Typografie.
„Hall of Femmes“ im Museum Wiesbaden
10. Juli – 4. Oktober 2026
Im Oktogon des Museums Wiesbaden wird eine „Hall of Femmes“ inszeniert, die relevante Hintergrundinformationen und Gestaltungsbeispiele zu zwanzig international renommierten Type-Designerinnen und Typografinnen aus den USA, Südamerika, Europa, Asien, Afrika und Neuseeland zeigt. Gezeigt werden Interviews (Film), ausgewählte Arbeitsbeispiele sowie gestalterisch-konzeptionelle Details zu den in der Ausstellung „Call for Flags“ vertretenen Designerinnen. Dieser inhaltlich reflektierende Teil der Museumsausstellung lebt von einer multimedialen Inszenierung mit Bild, Film, Sound, Interaktion und den Fahnen des „Call for Flags“. Vertieft werden dabei besonders Fragen nach persönlicher und gestalterischer Identität, Geschlecht und Herkunft. Damit soll die historisch starke Unterrepräsentanz von Frauen in diesem
traditionell intellektuell so bedeutenden Gestaltungsbereich kritisiert werden, denn: Schrift verbreitet Wissen und übt so entscheidenden Einfluss auf demokratische Meinungsbildung aus.
Die Präsentation im Museum Wiesbaden wird durch eine Partnerausstellung in Mainz ergänzt und schlägt eine Brücke nach Mainz:
WOMEN* & TYPE
FLAGS WITH A MESSAGE
21.—31. Juli 2026
LUX, Pavillon der Hochschule Mainz
Parallel zum Wiesbadener „Call for Flags“ zeigt der LUX-Pavillon der Hochschule Mainz achtzehn typografische Flaggen junger Gestalter:innen aus dem Studiengang Kommunikationsdesign. In aktivistischen Entwürfen setzen sie sich mit feministischen Positionen in der Typografie auseinander. Die Ausstellung erweitert Women & Type* um eine junge Perspektive und eröffnet Einblicke in die aktuelle Type-Design-Szene am Hochschulstandort Mainz.
Das Studienprojekt wird betreut von Prof. Dr. Petra Eisele und Prof. Dr. Isabel Naegele Institut Designlabor Gutenberg.
Das Projekt „Women* & Type – Call for Flags“ ist eine Kooperation zwischen dem Museum Wiesbaden und dem Institut Designlabor Gutenberg (IDG) / Hochschule Mainz
Jana Dennhard, M.A. & Dr. Jörg Daur, Kurator*innen / Susanne Hirschmann, Projektmanagement, Museum Wiesbaden
Prof. Dr. Petra Eisele & Prof. Dr. Isabel Naegele, Ko-Kuratorinnen, Institut Designlabor Gutenberg (IDG) / Hochschule Mainz
Sophie Wolf & Celina Schütz, Corporate Design / Hochschule Mainz