Einfach erklärt!

Die Blauen Reiterinnen

Diese Ausstellung zeigt Kunst von Frauen.

Die meisten Frauen waren in einer Künstler-Gruppe.

Die Gruppe hieß: Der Blaue Reiter.

Deshalb nennt die Ausstellung die Frauen: Die Blauen Reiterinnen.

Die Gruppe Der Blaue Reiter

Die Gruppe entstand 1911 in München.

Das ist mehr als 100 Jahre her.

Die meisten in der Gruppe haben gemalt.

Andere haben Gedichte geschrieben.

Oder Musik gemacht.

Die Künstlerinnen und Künstler hatten neue Ideen für die Kunst.


Zum Beispiel:

  • Sie haben mit ihrer Kunst Gefühle gezeigt.

  • Sie haben Farben frei gewählt. Ein Pferd haben sie auch mal blau gemalt.

  • Für sie war jede Kunst wichtig. Auch alte Kunst. Und Kunst aus anderen Ländern.

Bei der Gruppe haben von Anfang an Frauen mitgemacht.

Das war damals selten.

Frauen durften zu dieser Zeit viel weniger als Männer.

In der Kunst hatten sie es schwer.

Die erste Blaue Reiterin

Else Lasker-Schüler war eine Dichterin.

Vor mehr als 100 Jahren schrieb sie einen Brief an die Malerin Marianne von Werefkin.

In dem Brief nennt sie Marianne von Werefkin: Prinzessin und wildes Junge.

Sich selbst nennt sie: Prinz.

Damals dachten viele Menschen: Frauen müssen brav und lieb sein. Männer müssen stark sein.

Else Lasker-Schüler zeigt: Das muss nicht so sein.

Dieses Thema haben vor allem die Künstlerinnen in die Gruppe gebracht.

Else Lasker-Schüler nennt Marianne von Werefkin auch: Blaue Reiter-Reiterin.

Das heißt: Sie ist die Reiterin der Reiter.

Also die Anführerin.

Else Lasker-Schüler zeigt damit: Marianne von Werefkin war eine wichtige Künstlerin.

Sie hat viele neue Ideen in die Kunst gebracht.

Warum kennt man die Künstlerinnen kaum?

Die Künstlerinnen wussten: Wir sind wichtig für unsere Gruppe.

Trotzdem haben viele Menschen sie später fast vergessen.

Denn in den Büchern über Kunst ging es lange fast nur um Männer.

Eine große Ausstellung in München

Vor mehr als 70 Jahren gab es eine große Ausstellung über die Gruppe Der Blaue Reiter.

Die Ausstellung war im Haus der Kunst.

Das ist ein großes Ausstellungs-Haus in München.

Die Ausstellung zeigte vor allem Bilder von Männern.

Es waren nur 3 Künstlerinnen dabei.

Und von ihnen zeigte die Ausstellung auch nur wenige Bilder.

Danach haben die meisten Menschen bei dieser Gruppe vor allem an die Männer gedacht.

Das war sehr lange so.

Später bekamen einige Künstlerinnen eigene Ausstellungen.

Aber in Ausstellungen über die ganze Gruppe fehlten ihre Bilder meistens wieder.

Diese Ausstellung

In dieser Ausstellung sehen Sie Kunst von 12 Künstlerinnen.


Diese 3 Künstlerinnen gehörten fest zur Gruppe Der Blaue Reiter:

  • Maria Franck-Marc

  • Gabriele Münter

  • Marianne von Werefkin


Diese 5 Künstlerinnen haben ihre Bilder damals zusammen mit der Gruppe gezeigt:

  • Erma Bossi

  • Emmi Dresler

  • Elisabeth Epstein

  • Natalia Gontscharowa Den Namen spricht man so: Natalja Gon-tscha-rowa

  • Carla Pohle


Diese 4 Künstlerinnen waren mit der Gruppe befreundet:

  • Elisabeth Erdmann-Macke

  • Else Lasker-Schüler

  • Sonia Delaunay-Terk Den Namen spricht man so: Sonja Delonee-Terk

  • Olga Meerson


Deshalb sehen Sie auch ihre Kunst in der Ausstellung.

Warum sind die Künstlerinnen wichtig?

In dieser Ausstellung geht es nur um die Künstlerinnen.

Dadurch merkt man: Über die Gruppe Der Blaue Reiter stand manches falsch in den Büchern.

Manches stand gar nicht in den Büchern.

Kontakte in andere Länder

Viele Menschen dachten: Nur die Männer hatten Kontakte in andere Länder.

Das stimmt nicht.

Vor allem die Künstlerinnen hatten Kontakte nach Frankreich und Russland.

Eigene Themen

Die Künstlerinnen hatten auch eigene Themen.

In ihren Bildern geht es zum Beispiel um:

  • Frauen und ihren Platz in der Kunst

  • die Frage: Wie müssen Frauen sein? Wie müssen Männer sein?

  • die Frage: Wer bin ich?

  • Probleme in der Gesellschaft


Diese Themen sind auch heute noch wichtig.

Die Männer in der Gruppe fanden diese Themen damals weniger wichtig.

Damals sagten viele Menschen: Kunst von Frauen ist weniger wert.

Dafür gab es sogar ein eigenes Wort: Frauenkunst.

Die Künstlerinnen fanden das falsch.

Durch die Künstlerinnen gab es in der Gruppe viele verschiedene Ideen und Meinungen.

Deshalb war diese Gruppe anders als viele andere Künstler-Gruppen.

Das Netzwerk von den Blauen Reiterinnen

Zu einem Netzwerk gehören viele Menschen.

Die Menschen kennen sich.

Und sie helfen sich gegenseitig.

Die Gruppe Der Blaue Reiter wollte Künstlerinnen und Künstler aus vielen Ländern zusammenbringen.

Vor allem aus Deutschland, Frankreich und Russland.

Dabei haben die Künstlerinnen viel geholfen.

Die Künstlerinnen kamen selbst aus verschiedenen Ländern.

Viele von ihnen haben sich in München kennengelernt.

München war deshalb ein wichtiger Ort für ihr Netzwerk.

Die Künstlerinnen haben auch Briefe geschrieben.

Sie haben sich mit anderen Künstlerinnen und Künstlern getroffen.

Die Künstlerinnen sind viel gereist.

Und sie haben ihre Bilder in anderen Städten gezeigt.

So haben sie die Gruppe mit vielen Städten verbunden.

Hier sind 3 Beispiele dafür.

Paris

Elisabeth Epstein lebte in Paris.

Sie kannte deshalb viele Menschen in Paris.

Zum Beispiel die Künstlerin Sonia Delaunay-Terk.

Und ihren Mann.

Er war auch Maler.

Elisabeth Epstein hat damals Fotos von seinen Bildern nach München geschickt.

So hat die Gruppe den Maler kennengelernt.

Russland

Gabriele Münter und Marianne von Werefkin haben ihre Bilder auch in Russland gezeigt.

Zum Beispiel in Moskau und in Odessa.

Odessa gehörte damals zu Russland.

Dort haben sie russische Künstlerinnen und Künstler kennengelernt.

Zum Beispiel die Malerin Natalia Gontscharowa.

Berlin

Damals gab es in Berlin eine große Kunst-Ausstellung.

Sie hieß: Erster Deutscher Herbstsalon.

Dort haben 5 Künstlerinnen aus der Gruppe ihre Bilder gezeigt.

Else Lasker-Schüler hat in Berlin für eine Zeitschrift gearbeitet.

Die Zeitschrift hieß: Der Sturm.

Else Lasker-Schüler war eng mit Franz Marc befreundet.

Franz Marc war Maler in der Gruppe Der Blaue Reiter.

Die beiden haben sich viele Briefe geschrieben.

So war die Gruppe auch mit Berlin verbunden

Die Blauen Reiterinnen waren mehr als Künstlerinnen

Die Künstlerinnen haben die Kunst in Europa mit verändert.

Sie haben:

  • Kunst gemacht

  • Briefe geschrieben

  • Gäste eingeladen

  • Menschen miteinander bekannt gemacht

So haben Künstlerinnen und Künstler aus vielen Ländern zusammengearbeitet.

Die Frauen waren sehr wichtig für die Gruppe Der Blaue Reiter.

Und zwar von Anfang an.

Zur Geschichte von der Gruppe gehören auch die Frauen.

1 Gabriele Münter, Kandinsky und Erma Bossi am Tisch, 1912

Gabriele Münter, Kandinsky und Erma Bossi am Tisch, 1912, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957. Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Gabriele Münter hat dieses Bild in ihrem Haus in Murnau gemalt.

Murnau ist ein Ort in Bayern.

Auf dem Bild sitzen 2 Menschen an einem Tisch.

Ein Mann und eine Frau.

Der Mann ist Wassily Kandinsky.

Den Namen spricht man so: Was-si-li Kan-din-ski.

Er war Maler.

Er hat die Gruppe Der Blaue Reiter mit gegründet.

Er war der Partner von Gabriele Münter.

Die Frau ist Erma Bossi.

Sie war Malerin.

Erma Bossi war oft zu Besuch in Murnau.

Bei Gabriele Münter und Wassily Kandinsky.

Auf dem Bild redet Wassily Kandinsky.

Er redet wie ein Lehrer vor der Klasse.

Er trägt eine blaue Jacke.

Er sitzt in der Mitte vom Bild.

Man sieht ihn sofort.

Erma Bossi sitzt ihm gegenüber.

Sie sitzt ganz still da.

Sie hört nur zu.

Sie hat schwarze Haare.

Sie trägt eine weiße Bluse.

Und einen dunkel-grauen Rock.

Die Wand hinter ihr hat fast die gleichen Farben.

Deshalb sieht man Erma Bossi kaum.

Am Tisch steht auch ein leerer Stuhl.

Vielleicht ist das der Platz von Gabriele Münter.

So ist sie auch auf dem Bild.

Aber man sieht sie nicht.

Wassily Kandinsky war früher der Lehrer von Gabriele Münter.

Er wollte oft bestimmen.

Gabriele Münter wollte selbstständiger werden.

Sie wollte zeigen: Meine Kunst ist auch wichtig.

Das war nicht leicht.

Auf diesem Bild schaut sie von außen auf das Gespräch.

So zeigt sie: Die Männer standen damals oft im Mittelpunkt.

Die Künstlerinnen hatten es schwer neben ihnen.

Das sieht man nicht sofort.

Man muss genau hinschauen.

2 Marianne von Werefkin, Am Kamin, um 1909/10

Marianne von Werefkin, Am Kamin, um 1910, Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Früher dachten viele Menschen: In der Kunst sind Männer wichtiger als Frauen.

Marianne von Werefkin sah das anders.

Das zeigt sie auf diesem Bild.

Sie hat das Bild bei ihrem Bruder in Litauen gemalt.

Litauen ist ein Land in Europa.

Aber das Bild passt auch zu ihrem Leben in München.

In München hatte sie einen Salon.

Bei einem Salon treffen sich Menschen in einer Wohnung.

Zum Beispiel Künstlerinnen und Künstler, Forscher und Dichter.

Sie reden miteinander.

Sie tauschen Ideen aus.

Marianne von Werefkin hat Gäste zu ihrem Salon eingeladen.

Ihre Bekannten haben berichtet:

Im Salon hat sie bestimmt.

Sie hat die Themen ausgesucht.

Und sie hat das Gespräch geführt.

Genau so zeigt sie sich auch auf diesem Bild.

Vorne links sitzt eine Frau.

Das ist Marianne von Werefkin.

Sie ist die wichtigste Person im Bild.

Sie spricht.

Mit der Hand zeigt sie: Ich habe etwas zu sagen.

Neben dem Kamin stehen 2 Männer in feinen Anzügen.

Ein Mann hält die Hand an den Mund.

Der andere Mann hält die Hand an das Ohr.

Die Männer hören zu.

Aber sie haben selbst wenig zu sagen.

Damals war es meistens so:

Vor allem Männer haben bei Gesprächen geredet.

Die Frauen saßen oft nur still dabei.

Auf diesem Bild ist es anders.

Die Frau bestimmt das Gespräch.

Die Männer stehen nur dabei.

So wie die Vasen und die Uhr auf dem Kamin.

Mit dem Bild zeigt Marianne von Werefkin:

Frauen haben etwas zu sagen.

Und man soll ihnen zuhören.

3 Marianne von Werefkin, Sacharoff, Trapezkünstlerin, Artisten

Marianne von Werefkin, Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909, Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale dʼArte Moderna, Ascona. Foto: Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona
Marianne von Werefkin, Trapezkünstlerin, 1909, Privatsammlung. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

In den Bildern von Marianne von Werefkin geht es oft um Frauen und Männer.

Andere Künstler haben das kaum gemalt.

Es geht in ihren Bildern auch darum: Jeder Mensch ist anders.

Das ist auch heute noch wichtig.

Damals lernten Mädchen schon in der Schule: So muss ein Mädchen sein.

Manche Bilder von Marianne von Werefkin zeigen dieses Leben von Frauen.

Andere Bilder zeigen: Es geht auch anders.

Ein Bild zeigt den Tänzer Alexander Sacharoff.

Den Namen spricht man so: A-lex-an-der Sa-cha-roff.

Er hat schwarze Haare bis zum Kinn.

Sein Gesicht ist geschminkt.

Er hat rote Wangen und rote Lippen.

Er trägt ein langes blaues Gewand.

In der Hand hält er eine Blume.

Damals sah das für viele Menschen aus wie eine Frau.

Auf dem Bild kann man nicht genau sagen: Ist das ein Mann oder eine Frau?

Er hat etwas von beidem.

Marianne von Werefkin hat selbst in ihr Tagebuch geschrieben:

Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin ich.

Ein anderes Bild zeigt eine Trapez-Künstlerin.

Sie ist eine Artistin.

Artisten zeigen Kunststücke im Zirkus.

Ein Trapez ist eine Schaukel hoch oben im Zirkus-Zelt.

Die Trapez-Künstlerin turnt an dieser Schaukel.

Sie ist stark geschminkt.

Sie ist ganz allein.

Weit weg von den anderen Menschen.

Vielleicht denkt sie dort in Ruhe über ihr Leben als Frau nach.

Marianne von Werefkin hat auch Tänzerinnen gemalt.

Ihre Tänzerinnen haben ganz verschiedene Körper.

Und sie bewegen sich ganz verschieden.

Andere Maler haben Tänzerinnen immer gleich gemalt.

Alle Tänzerinnen waren dünn und sahen gleich aus.

Marianne von Werefkin macht Mut.

Jeder Mensch darf selbst entscheiden: So will ich sein.

4 Marianne von Werefkin, Selbstbildnis I, um 1910

Marianne von Werefkin, Selbstbildnis I, um 1910, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Marianne von Werefkin hat sich auf diesem Bild selbst gemalt.

Das nennt man ein Selbst-Bildnis.

Das Bild zeigt: So war Marianne von Werefkin.

Sie sitzt sehr gerade.

Sie schaut uns direkt an.

Ihr Blick ist stark.

Das zeigt: Marianne von Werefkin hatte viel Mut.

Sie lächelt nicht.

Ihre Augen sind rot.

Die roten Augen fallen sofort auf.

Sie passen zu Marianne von Werefkin.

Sie hat anderen oft widersprochen.

Manche Menschen haben sich darüber geärgert.

In Wirklichkeit waren ihre Augen nicht rot.

Marianne von Werefkin hat die Farbe frei gewählt.

So haben damals viele Künstlerinnen und Künstler gemalt.

Diese Art von Kunst heißt Expressionismus.

Das spricht man so: Ex-pres-sio-nis-mus.

Das Wort kommt aus der lateinischen Sprache.

Es bedeutet: Ausdruck.

Die Künstlerinnen und Künstler wollten mit ihren Bildern Gefühle ausdrücken.

Dafür haben sie oft starke Farben benutzt.

Marianne von Werefkin war sehr wichtig für diese neue Kunst in Deutschland.

Marianne von Werefkin hat auch gern Menschen zusammengebracht.

In München hatte sie einen Salon.

Bei einem Salon treffen sich Menschen in einer Wohnung.

Sie reden miteinander.

Sie tauschen Ideen aus.

Ein Bekannter von ihr hat später aufgeschrieben:

Marianne von Werefkin war der Mittelpunkt von ihrem Salon.

Sie hat das Gespräch bestimmt.

Und sie hat viele Menschen auf neue Ideen gebracht.

5 Marianne von Werefkin, Schindelfabrik, 1910

Marianne von Werefkin, Schindelfabrik, 1910, Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Das ist ein sehr wichtiges Bild von Marianne von Werefkin.

Das Bild zeigt eine Fabrik in Oberau.

Oberau ist ein Ort in Bayern.

In der Fabrik macht man Schindeln.

Schindeln sind kleine Holz-Bretter für Dächer und Wände.

Rechts unten steht ein Arbeiter.

Er trägt einen Hut und einen Mantel.

Er sieht aus wie eine Puppe an Fäden.

Die Türen und Fenster von der Fabrik sind versperrt.

Man kommt nicht hinein.

Und nicht hinaus.

Hinter der Fabrik ist ein dunkler Berg.

Der Berg ist sehr steil.

Er sieht gefährlich aus.

Vor dem Berg ist der Schornstein von der Fabrik.

Der Schornstein ist lang und rot.

Im Bild geht er bis zur Spitze vom Berg.

So sieht der Berg aus wie ein Vulkan.

Der Vulkan kann ausbrechen.

Die Menschen hier sind in Gefahr.

In diesem Bild sieht man viel von ihrer Kunst:

  • Ihre Bilder sind oft dunkel und unheimlich.

  • Wir können uns zu ihren Bildern Geschichten ausdenken.

  • Die Menschen sind ganz einfach gemalt.

  • Vieles sieht aus wie in einem Märchen. Oder wie in einem Traum.

So hat Marianne von Werefkin ihr ganzes Leben lang gemalt.

6 Marianne von Werefkin, Am Blumenbeet, um 1910/14

Marianne von Werefkin, Am Blumenbeet, um 1910/14, Privatsammlung Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Nur wenige Menschen kennen dieses Bild von Marianne von Werefkin.

Aber es zeigt viel über das Leben von Frauen damals.

Vorne auf dem Bild ist ein Blumen-Beet mit Tulpen.

Dort stehen 2 Männer.

Sie stehen ganz nah beieinander.

Sie reden miteinander.

Vielleicht über wichtige Dinge.

Hinten im Bild ist eine Frau.

Bei dem Gespräch von den Männern ist sie nicht dabei.

Sie fegt den Weg im Park.

Sie kümmert sich um den Park.

Erst durch ihre Arbeit können die Blumen blühen.

Trotzdem beachtet niemand ihre Arbeit.

So war es damals oft:

Die Männer haben über die wichtigen Dinge entschieden.

Die Frauen haben die Arbeit gemacht.

So wie die Frau im Bild.

Sie steht hinten.

Das ist kein Zufall.

Marianne von Werefkin zeigt damit:

Die Arbeit von Frauen war wichtig.

Aber oft hat niemand sie beachtet.

Auch die Blauen Reiterinnen haben viel für die Kunst getan.

Und sie wussten das auch.

Aber nur wenige haben sich für ihre Kunst interessiert.

Marianne von Werefkin will uns mit dem Bild nicht ermahnen.

Sie malt einfach, wie es war.

7 Marianne von Werefkin, Maskenball & Aschermittwoch, 1925/1931

Marianne von Werefkin, Die Masken des Dorfes, um 1925, Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale dʼArte Moderna, Ascona. Foto: Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona
Marianne von Werefkin, Aschermittwoch, 1931, Museum Wiesbaden, Dauerleihgabe aus Privatbesitz. Foto: Bernd Fickert

Marianne von Werefkin hat mit ihren Bildern Geschichten erzählt.

Das hat sie ihr ganzes Leben lang gemacht.

Andere Künstler haben das immer weniger gemacht.

Mit Geschichten konnte sie gut zeigen: Das ist mir wichtig.

Hier hängen 2 Bilder.

Marianne von Werefkin hat sie nacheinander gemalt.

Zuerst das Bild: Masken des Dorfes.

5 Jahre später hat sie das Bild Aschermittwoch gemalt.

Jedes Bild zeigt etwas anderes.

Zusammen erzählen sie eine Geschichte.

Das erste Bild zeigt den Anfang.

Das zweite Bild zeigt das Ende.

Den Teil dazwischen können Sie sich selbst ausdenken.

Das erste Bild zeigt Fastnacht.

Fastnacht ist ein Fest.

Man sagt auch: Karneval oder Fasching.

Die Menschen verkleiden sich und feiern.

Es ist Abend.

Die Sonne geht hinter den Bergen unter.

Viele Menschen gehen in einer Reihe an einem See entlang.

Sie tragen bunte Kostüme und weiße Masken.

Um sie herum stehen Bäume mit Schnee.

Die Menschen gehen von links nach rechts.

So wie man liest.

Das zweite Bild zeigt den Aschermittwoch.

Am Aschermittwoch ist die Fastnacht vorbei.

Es ist früh am Morgen.

Es ist kalt und grau.

Die Masken sind weg.

Die Menschen tragen normale Kleidung.

Sie gehen zurück.

Jetzt von rechts nach links.

Sie haben die Hände in den Taschen.

Sie schauen nach unten.

Sie sind enttäuscht.

Sie haben mehr erwartet.

Von der Fastnacht.

Und vielleicht vom Leben.

Auf dem ersten Bild feiern die Menschen zusammen.

Auf dem zweiten Bild geht jeder für sich allein.

Vorne gehen nur Frauen.

Vielleicht ist das kein Zufall.

Vielleicht will Marianne von Werefkin zeigen:

Für Frauen war das Leben damals oft besonders schwer.

8 Erma Bossi, Selbstbildnis (als Bildnis von Marianne von Werefkin 1970 erworben), 1909

Erma Bossi, Selbstbildnis (als Bildnis von Marianne von Werefkin 1970 erworben), um 1910, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München. Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank © Rechtsnachfolge der Künstlerin

Erma Bossi hat sich auf diesem Bild selbst gemalt.

Das nennt man ein Selbst-Bildnis.

Aber lange dachten die Menschen: Das ist Marianne von Werefkin.

Marianne von Werefkin war auch eine Malerin.

Deshalb hieß das Bild lange: Bildnis Marianne von Werefkin.

Vor mehr als 50 Jahren hat jemand einen Fehler gemacht.

Die Person hat dem Bild einen falschen Namen gegeben.

Lange hat niemand den Fehler bemerkt.

Dafür gibt es 2 Gründe:

  • Nur wenige Forscher haben sich für Erma Bossi interessiert.

  • Marianne von Werefkin war sehr bekannt. Das Bild hat gut zu ihr gepasst.

Die Frau auf dem Bild ist jung.

Marianne von Werefkin war damals schon fast 50 Jahre alt.

Vor mehr als 10 Jahren hat eine Forscherin genau hingeschaut.

Sie heißt Dr. Sandra Uhrig.

Sie hat gedacht: Der Name ist falsch.

Aber das Bild hatte noch lange den falschen Namen.

Später hat man ein Foto gefunden.

Auf dem Foto ist Erma Bossi.

Sie sieht aus wie die Frau auf dem Bild.

Jetzt hat das Bild den richtigen Namen: Selbstbildnis.

Lange hat man Künstlerinnen wie Erma Bossi kaum beachtet.

Heute weiß man: Erma Bossi war wichtig für die Gruppe Der Blaue Reiter.

9 Gabriele Münter, Landschaft mit weißem Mond (Aufgehender Mond) & Bei Gärtnerei Mederer (?) Murnau, 1940, 1931

Gabriele Münter, Landschaft mit weißem Mond (Aufgehender Mond), 1940, Museum Wiesbaden, Schenkung W. und M. Rick 2013. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Gabriele Münter, Bei Gärtnerei Mederer (?) Murnau, 1931, Privatsammlung Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Gabriele Münter hat sehr viele Bilder gemalt.

Viele Menschen kennen vor allem ihre frühen Bilder.

Damals war Wassily Kandinsky ihr Partner.

Den Namen spricht man so: Was-si-li Kan-din-ski.

In dieser Zeit hat Gabriele Münter mit kräftigen Farben gemalt.

Die Bilder sind sehr bunt.

Die Formen sind einfach.

Diese Bilder sind bis heute berühmt.

Dann hat sich Wassily Kandinsky von Gabriele Münter getrennt.

Danach hat Gabriele Münter anders gemalt.

Sie hat genauer gemalt.

Die Dinge sehen mehr aus wie in echt.

Die Bilder sind nicht mehr so bunt.

Viele Künstlerinnen und Künstler haben damals so gemalt.

Man nennt diese Kunst Neue Sachlichkeit.

Hier sehen Sie 2 Bilder von Gabriele Münter aus dieser Zeit.

Das erste Bild heißt: Bei Gärtnerei Mederer.

In einer Gärtnerei wachsen Pflanzen und Blumen.

Man sieht Häuser mit roten Dächern.

Davor sind Beete.

Unten links sind Kästen aus Glas.

Darin wachsen junge Pflanzen.

Auf einem Weg geht ein Mensch in blauer Kleidung.

Er schiebt eine Schubkarre.

Der Himmel ist grau.

Das zweite Bild heißt: Landschaft mit weißem Mond.

In der Mitte steht ein weißes Haus mit rotem Dach.

Ein Weg führt durch die Landschaft.

Links und rechts stehen dunkle Bäume.

Der Himmel ist lila und blau.

Am Himmel geht ein heller Mond auf.

Es ist Abend.

Alles ist ganz still.

Viele Menschen fanden die neuen Bilder von Gabriele Münter schlecht.

Manche sagten sogar: Ohne Wassily Kandinsky malt Gabriele Münter schlechter.

Auch die Bilder von Wassily Kandinsky haben sich später verändert.

Er hat vor allem Formen gemalt.

Zum Beispiel Kreise und Dreiecke.

Ihn haben die Menschen dafür gelobt.

Für diesen Unterschied gibt es 2 Gründe.

Der erste Grund:

Fast alle Kunst-Forscher waren Männer.

Sie fanden die Kunst von Männern oft wichtiger.

Der zweite Grund:

Später mochten viele Menschen eine andere Kunst lieber.

Auf diesen Bildern sieht man nur Formen und Farben.

So wie bei Wassily Kandinsky.

Die Bilder von Gabriele Münter mochten sie weniger.

Das war ungerecht.

Heute sieht man: Auch die späteren Bilder von Gabriele Münter sind gut.

10 Gabriele Münter, Drachenkampf, 1913

Gabriele Münter, Drachenkampf, 1913, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München. Foto: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Dieses Bild von Gabriele Münter heißt: Drachenkampf.

Gabriele Münter hat das Bild 2 Mal gemalt.

Ihr Vorbild war eine alte Holz-Figur aus Russland.

Auf dem Bild kämpft ein Ritter gegen einen Drachen.

Links ist der Drache.

Er hat viele Köpfe.

Hinter dem Drachen sind bunte Farb-Flecken.

Rechts ist der Ritter.

Er sitzt auf einem weißen Pferd.

Das Pferd steht auf den Hinterbeinen.

Der Ritter hält ein Schwert über seinem Kopf.

Gleich will er zuschlagen.

Hinter dem Ritter ist ein Apfelbaum.

Das Bild wirkt sehr ernst.

Aber man kann es auch anders verstehen.

Die Gruppe Der Blaue Reiter hatte ein Zeichen.

Das Zeichen war ein Ritter.

Wassily Kandinsky hat das Zeichen ausgesucht.

Den Namen spricht man so: Was-si-li Kan-din-ski.

Vielleicht ist der Ritter auf dem Bild deshalb Wassily Kandinsky.

Wassily Kandinsky war der Partner von Gabriele Münter.

Gabriele Münter hat in ihr Tagebuch über ihn geschrieben:

Er arbeitet nicht gern mit anderen zusammen.

Er kämpft lieber allein.

So ist es auch auf dem Bild.

Der Ritter kämpft allein gegen den Drachen.

Der Drache hat sehr viele Köpfe.

Das ist zu viel für einen allein.

Das Bild zeigt nicht, wer gewinnt.

Gabriele Münter macht hier einen kleinen Witz.

Vielleicht will sie sagen:

Zusammen geht es besser.

Mit einer Partnerin hat der Ritter mehr Chancen.

11 Gabriele Münter, Im Zimmer, 1913

Gabriele Münter, Im Zimmer, 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung. Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Dieses Bild von Gabriele Münter heißt: Im Zimmer.

Auf dem Bild ist Elfriede Schroeter.

Sie ist die Nichte von Gabriele Münter.

Eine Nichte ist die Tochter von der Schwester oder vom Bruder.

Elfriede ist hier 11 Jahre alt.

Sie trägt ein weißes Kleid.

Sie sitzt auf einem grünen Sessel.

Sie liest eine Zeitung.

Im Zimmer sind viele Dinge.

An der Wand hängen Fotos.

In einer Vase sind Blumen.

Auf dem Sofa liegt eine Puppe.

Auf dem Boden stehen 2 Bilder.

Elfriede hat diese Bilder selbst gemalt.

Gabriele Münter mochte Bilder von Kindern sehr.

Zusammen mit Wassily Kandinsky hat sie Kinder-Bilder gesammelt.

Den Namen spricht man so: Was-si-li Kan-din-ski.

Auch die Nichten von Gabriele Münter haben ihr Bilder geschenkt.

Gabriele Münter hatte am Ende etwa 250 Kinder-Bilder.

Die Kinder-Bilder haben Gabriele Münter auf neue Ideen gebracht.

Kinder malen oft mit kräftigen Farben.

Und mit einfachen Formen.

So hat Gabriele Münter auch dieses Bild gemalt.

Viele Formen sind Rechtecke.

Zum Beispiel die Bilder, die Fotos und der Schrank.

Die Gruppe Der Blaue Reiter hat Kinder-Bilder damals primitiv genannt.

Damit meinten sie: Die Bilder sind einfach.

Sie sind anders als an Kunst-Schulen.

Aber früher dachten viele Menschen in Europa:

Menschen aus anderen Ländern sind weniger wert.

Sie haben diese Menschen auch primitiv genannt.

Heute weiß man: Das ist falsch.

Deshalb benutzt man das Wort heute nicht mehr so.

12 Gabriele Münter, Druckgrafiken

Gabriele Münter, Bauarbeiten, Originalholzschnitt, Titelblatt, Der Sturm. Wochenschrift für Kultur und die Künste, hg. von Herwarth Walden, 3. Jg., 136 ⁄ 137, Nov. 1912, Berlin

Hier sehen Sie 2 Bilder von Gabriele Münter.

Es sind Holz-Schnitte.

Bei einem Holz-Schnitt schnitzt man ein Bild in ein Stück Holz.

Dann druckt man das Bild auf Papier.

Die 2 Bilder hier sind nur schwarz und weiß.

Gabriele Münter hat oft Menschen bei der Arbeit gezeigt.

Zum Beispiel auf Baustellen.

Das erste Bild heißt: Bauarbeiten.

Man sieht Arbeiter auf einer Baustelle.

Ein Pferd zieht einen Wagen.

Ein Mann sitzt oben auf dem Wagen.

Hinten ist ein großer Berg aus Steinen.

Rechts stehen 2 Arbeiter.

Daneben ist eine Schaufel.

Niemand hält die Schaufel.

Sie schwebt in der Luft.

Die Formen sind ganz einfach.

Das zweite Bild heißt: Habsburgerplatz.

Der Habsburgerplatz ist ein Platz in München.

Man sieht Bäume und Häuser.

Ein Pferd zieht einen Wagen.

Eine Mutter geht mit ihrem Kind spazieren.

Vorne laufen 2 Hunde.

Beide Bilder waren auf der Titel-Seite von einer Zeitschrift.

Die Titel-Seite ist die erste Seite.

Die Zeitschrift hieß: Der Sturm.

Gabriele Münter hat 6 Titel-Bilder für diese Zeitschrift gemacht.

Insgesamt gibt es 88 gedruckte Bilder von Gabriele Münter.

13 Gabriele Münter, Jawlensky und Werefkin & Bildnis Marianne von Werefkin, 1908/1909

Gabriele Münter, Jawlensky und Werefkin, 1908/09, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Gabriele Münter, Bildnis Marianne von Werefkin, 1909, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957. Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Auf diesen 2 Bildern von Gabriele Münter ist Marianne von Werefkin.

Auf dem ersten Bild sind 2 Menschen auf einer Wiese.

Das Bild heißt: Jawlensky und Werefkin.

Auf dem Bild sind Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky.

Den Namen spricht man so: A-lex-ej von Jaw-len-ski.

Die beiden waren ein Paar.

Hinter ihnen sind Berge.

Sie ruhen sich aus.

Alexej von Jawlensky liegt im Gras.

Vielleicht spielt er mit einem Grashalm.

Marianne von Werefkin sitzt sehr gerade.

Auf ihrem Schoß liegt ein Schal.

Die beiden sind sehr verschieden.

Aber auf dem Bild sind beide gleich wichtig.

Das zweite Bild hat Gabriele Münter wahrscheinlich am selben Tag gemalt.

Es heißt: Bildnis Marianne von Werefkin.

Ein Bildnis ist ein Bild von einem Menschen.

Auf diesem Bild ist nur Marianne von Werefkin.

Sie trägt die gleiche Kleidung wie auf dem ersten Bild.

Ein weißes Kleid.

Einen großen Hut.

Auf dem Hut sind bunte Blumen.

Und den Schal.

Jetzt hat sie den Schal um den Hals gelegt.

Hinter ihr ist eine gelbe Haus-Wand.

Gabriele Münter hat Marianne von Werefkin sehr bewundert.

Das zeigt sie auf diesem Bild.

Marianne von Werefkin ist im Bild etwas höher als wir.

Wir schauen zu ihr hinauf.

Sie wirkt stark und sicher.

Sie schaut uns direkt an.

Man kann sie gut erkennen.

Trotzdem wirkt sie weit weg.

Ein Bekannter hat über sie geschrieben:

Viele junge Menschen wollten mit ihr befreundet sein.

Aber sie hat ihnen nicht alles von sich gezeigt.

14 Alexej von Jawlensky, Bildnis Marianne von Werefkin, um 1906

Alexej von Jawlensky, Bildnis Marianne von Werefkin, um 1906, Museum Wiesbaden, erworben 1987 aus dem Nachlass Hanna Bekker vom Rath, Dauerleihgabe des Vereins zur Förderung der bildenden Kunst in Wiesbaden e.V. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Alexej von Jawlensky hat dieses Bild gemalt.

Den Namen spricht man so: A-lex-ej von Jaw-len-ski.

Er war der Lebens-Partner von Marianne von Werefkin.

Er war 4 Jahre jünger als sie.

Die beiden haben zusammen in München gelebt.

Es ist ein Bildnis.

Ein Bildnis ist ein Bild von einem Menschen.

Auf dem Bild ist Marianne von Werefkin.

Sie trägt einen großen Hut.

Auf dem Hut sind bunte Blumen.

Ihre Kleidung ist rot.

Am Hals hat sie eine gelbe Schleife.

Die Malerin Elisabeth Erdmann-Macke hat die beiden besucht.

Danach hat sie über Marianne von Werefkin erzählt:

Sie hatte viel Kraft und Energie.

Sie trug eine knallrote Bluse.

Und eine große Schleife im Haar.

Im Haus hat sie bestimmt.

Auf diesem Bild sieht Marianne von Werefkin anders aus.

Sie sieht ruhiger aus.

Dafür gibt es 2 Gründe:

  • Sie sitzt uns gegenüber. Auf gleicher Höhe. Sie schaut uns ruhig an.

  • Die Farbe ist sehr dick. Die Pinsel-Striche fallen sehr auf.

Alexej von Jawlensky hat das Bild in einem besonderen Jahr gemalt.

Marianne von Werefkin hatte 10 Jahre lang nicht gemalt.

In diesem Jahr hat sie wieder angefangen.

15 Maria Franck-Marc, Blumen und gelbe Disteln & Zwei Kinder zwischen Blumen & Heilige Drei Könige, 1913, 1912, 1911/1912

Maria Franck-Marc, Blumen und gelbe Disteln, um 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Ankauf des Förderverein Lenbachhaus e. V. 2022. Foto: Ernst Jank © Nachlass Maria Marc 2026
Maria Franck-Marc, Heilige Drei Könige, um 1911/12, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © Nachlass Maria Marc 2026

Maria Franck-Marc hat gern Blumen gemalt.

Und Kinder.

Und Bilder von Heiligen.

Viele Menschen nannten solche Bilder damals: Frauenkunst.

Sie dachten: Frauen malen so etwas nur in ihrer Freizeit.

Für sie war Frauenkunst keine richtige Kunst.

Maria Franck-Marc wusste das.

Ihre Bilder sehen lieb und schön aus.

Aber etwas stimmt nicht.

Man muss nur genau hinschauen.

Das erste Bild heißt: Blumen und gelbe Disteln.

Man sieht viele schöne Blumen.

Das Bild ist ganz voll mit Blumen.

Es gibt keinen freien Platz.

Aber dazwischen wachsen gelbe Disteln.

Disteln haben spitze Blätter.

Sie sehen aus wie Stacheln.

Das zweite Bild heißt: Zwei Kinder zwischen Blumen.

2 Kinder sitzen auf einer Wiese mit Blumen.

Aber die Kinder sehen nicht fröhlich aus.

Ihre Gesichter sind blass.

Sie sitzen steif da.

Das dritte Bild heißt: Heilige Drei Könige.

Die Heiligen Drei Könige kennt man aus der Bibel.

Sie besuchen das Jesus-Kind.

Vorne stehen Figuren mit Kronen.

Hinten kommen die Könige.

Einer reitet auf einem Elefanten.

Alles ist gelb und gold.

Das Bild ist sehr feierlich.

Aber es ist fast zu feierlich.

So ist es bei allen 3 Bildern.

Maria Franck-Marc übertreibt das Schöne.

So zeigt sie: Ihre Bilder sind mehr als nur schön.

16 Maria Franck-Marc, Schwarze Linie – Webteppich, um 1950

Maria Franck-Marc, Schwarze Linie, um 1950, Museum Wiesbaden. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert © Nachlass Maria Marc 2026

Maria Franck-Marc hat diesen Teppich gewebt.

Weben heißt: Man macht aus Fäden einen Stoff.

Maria Franck-Marc hat gern Neues ausprobiert.

Das hat sie ihr ganzes Leben lang gemacht.

Zuerst hat sie an einer Kunst-Schule malen gelernt.

Später hat sie in München die Gruppe Der Blaue Reiter kennengelernt.

Ab da hat sie anders gemalt.

Ihre Bilder wurden bunter.

Zu der Gruppe gehörte auch der Maler Franz Marc.

Er war ihr Mann.

Im Ersten Welt-Krieg war er Soldat.

Er ist im Krieg gestorben.

In dieser Zeit hat Maria Franck-Marc mit Sticken angefangen.

Beim Sticken näht man Bilder mit Fäden auf Stoff.

Das war neu für sie.

Später hat sie Teppiche gewebt.

Das hat sie an einer berühmten Kunst-Schule gelernt.

Die Schule hieß Bauhaus.

Diesen Teppich hat sie mit etwa 75 Jahren gemacht.

Er heißt: Schwarze Linie.

Der Teppich zeigt keine Dinge.

Er zeigt nur Formen und Farben.

Viele Teile sind blau.

Dazwischen sind braune, rote und weiße Formen.

Eine dunkle Linie geht in Kurven durch den Teppich.

An manchen Stellen ist der Teppich offen.

Dort sieht man die weiße Wand dahinter.

So wird die Wand ein Teil vom Kunstwerk.

Das war damals neu.

17 Olga Meerson, Fleurs, Blick durch das Fenster

Olga Meerson, Blumen, um 1910, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Schenkung Heinz Pringsheim. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Olga Meerson, Blick durch das Fenster, 1911, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Schenkung Heinz Pringsheim. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Hier sehen Sie 2 Bilder von Olga Meerson.

Olga Meerson kam aus München.

Sie ist schon früh nach Paris gezogen.

Dort hat sie bei dem Maler Henri Matisse gelernt.

Den Namen spricht man so: On-ri Ma-tiss.

Die beiden waren gut befreundet.

Olga Meerson war oft bei der Familie Matisse.

Zusammen sind sie ans Meer gefahren.

Dort ist das Licht sehr hell.

Die Farben sehen dort sehr kräftig aus.

So hat Olga Meerson auch gemalt.

Das erste Bild heißt: Fleurs.

Das spricht man so: Flör.

Fleurs ist Französisch.

Es heißt: Blumen.

Auf einem runden Tisch steht eine Vase.

Die Vase ist blau und weiß kariert.

In der Vase ist ein großer Blumen-Strauß.

Die Wand dahinter ist rosa.

Olga Meerson hat die Blumen nicht ganz genau gemalt.

Man sieht die Pinsel-Striche.

Sie hat die Farben direkt aus der Tube genommen.

So sieht der Strauß ganz frisch aus.

Das zweite Bild heißt: Blick durch das Fenster.

Man sieht ein Zimmer mit einem offenen Fenster.

Links und rechts hängen Vorhänge.

Vor dem Fenster ist ein rotes Balkon-Geländer.

Draußen sieht man das Meer.

Auch Henri Matisse hat oft offene Fenster gemalt.

Das Fenster ist wie ein Rahmen.

In dem Rahmen sieht man die Landschaft draußen.

Das helle Licht von draußen kommt ins Zimmer.

Drinnen und draußen haben ähnliche Farben.

Vorne steht ein leerer Stuhl.

Man kann sich vorstellen: Man sitzt auf dem Stuhl.

Und man schaut aus dem Fenster.

18 Erdmann-Macke, Byzantinische Heiligenszene, Orientalische Szene

Elisabeth Erdmann-Macke, »Orientalische Szene« [historischer Titel], 1912, Leihgabe der PSM Privatstiftung Schloßmuseum Murnau im Schloßmuseum Murnau. Foto: Schloßmuseum Murnau, Bildarchiv © Rechtsnachfolge der Künstlerin

Diese 2 Bilder von Elisabeth Erdmann-Macke sind Hinterglas-Bilder.

Bei einem Hinterglas-Bild malt man auf die Rückseite von einer Glas-Scheibe.

Hinterglas-Bilder gibt es in Bayern schon sehr lange.

Elisabeth Erdmann-Macke hat Hinterglas-Bilder ausprobiert.

Ihr Mann war der Maler August Macke.

Er hat auch Hinterglas-Bilder ausprobiert.

Er war in der Gruppe Der Blaue Reiter.

Das erste Bild heißt: Byzantinische Heiligenszene.

Wahrscheinlich hat Elisabeth Erdmann-Macke dieses Bild allein gemalt.

Ganz sicher weiß man das aber nicht.

Byzantinisch spricht man so: Bü-zan-ti-nisch.

Das Wort kommt von der Stadt Byzanz.

Heute heißt die Stadt Istanbul.

Istanbul ist eine große Stadt in der Türkei.

Vor sehr langer Zeit gab es dort besondere Kunst.

Die Bilder von damals zeigen oft Heilige.

Heilige sind Menschen aus dem Christentum.

Für die Kirche sind sie sehr wichtig.

Die Bilder von damals haben auch viel Gold.

Auch auf diesem Bild sieht man Heilige.

In der Mitte sitzt eine Frau mit Krone.

Links sitzen 4 Männer.

Rechts sitzen auch 4 Männer.

Alle haben goldene Kreise um den Kopf.

Das zeigt: Sie sind Heilige.

Deshalb steht im Namen vom Bild: Heiligenszene.

Unten ist eine Reihe mit roten Blumen.

Das zweite Bild heißt: Orientalische Szene.

Orientalisch kommt von dem Wort Orient.

So hat man früher Länder in Arabien und Nordafrika genannt.

Vor einem gelben Haus steht eine Frau.

Daneben sitzt ein Mensch in blauer Kleidung.

Rechts wächst eine Palme.

Um das Bild herum ist ein bunter Rand mit Mustern.

Das Bild zeigt eine Fantasie-Welt.

Elisabeth Erdmann-Macke mischt hier Dinge aus verschiedenen Ländern.

Damals fanden viele Menschen in Europa diese Länder fremd und spannend.

Auch die Gruppe Der Blaue Reiter mochte Märchen aus diesen Ländern.

Aber viele Menschen in Europa kannten diese Länder nicht.

Sie haben sich vieles nur ausgedacht.

Das war damals oft so.

Heute weiß man: Das ist ein Problem.

Denn viele Menschen glauben dann: So ist es dort.

Aber das stimmt nicht.

Das kann die Menschen dort verletzen.

19 Lasker-Schüler, Prinz Jussuf von Theben

Else Lasker-Schüler, Prinz Jussuf von Theben, nach 1934, Jüdisches Museum Frankfurt am Main. Foto: Herbert Fischer

Diese Zeichnung ist von Else Lasker-Schüler.

Sie hat auch Gedichte geschrieben.

Auf dem Bild sieht man einen Prinzen.

Er reitet auf einem Kamel.

Er trägt ein blaues Hemd.

Und eine rosa Hose.

Auf dem Kamel liegt eine silberne Decke.

Unten steht sein Name: Prinz Jussuf von Theben.

Else Lasker-Schüler hat den Namen selbst geschrieben.

Der Prinz ist nicht echt.

Else Lasker-Schüler hat ihn sich ausgedacht.

Er lebt in einer Fantasie-Welt.

In der Fantasie-Welt leben auch Freunde von Else Lasker-Schüler.

Sie haben dort andere Namen.

Auch Else Lasker-Schüler hat dort einen anderen Namen.

Sie ist Prinz Jussuf.

Else Lasker-Schüler war eine Frau.

Aber in der Fantasie-Welt ist sie ein Mann.

Sie hat Männer-Kleidung getragen.

Auch im echten Leben.

So probiert sie aus: Wer will ich sein?

Sie zeigt: Man muss nicht nur eines sein.

Auch die Orte in der Fantasie-Welt sind ausgedacht.

Prinz Jussuf kommt aus Theben.

Es gab wirklich Städte mit diesem Namen.

Diese Städte sind sehr alt.

Else Lasker-Schüler hat nur den Namen genommen.

Ihr Theben ist ein Fantasie-Ort.

Aber vieles darin kommt aus echten Ländern.

Zum Beispiel das Kamel und die Kleidung.

Else Lasker-Schüler zeigt diese Länder sehr einfach.

Das war damals oft so.

Heute weiß man: Das ist ein Problem.

Denn viele Menschen glauben dann: So ist es dort.

Aber das stimmt nicht.

Das kann die Menschen dort verletzen.

Diese Website verwendet Cookies. Mit dem Besuch der Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen.