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Kinder sehen Kunst – Kinderrechte im Museum

Kinder betrachten Kunst, Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Dass Kinderrechte etwas Wichtiges, Bedeutsames und Relevantes sind, dem stimmt wohl jede:r zu, und ja, natürlich: Kinder haben ein Recht auf Kultur! Vielen ist jedoch nicht klar, dass dieses Recht kein „Zugeständnis von erwachsenen Personen an das „Publikum von morgen“ [ist] und nicht nur ein Leitsatz der Kulturpädagogik der letzten 50 Jahre – sondern ein echtes, geltendes Recht“.[1]

Ein kurzer Blick zurück

30 Jahre nach der Erklärung der Rechte des Kindes am 20. November 1989, und somit zehn Jahre nach dem Internationalen Jahr des Kindes, wurde das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, die „UN-Kinderrechtskonvention“, von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Sie wurde zur Zeichnung am 26. Januar 1990 aufgelegt und 61 Staaten unterzeichneten sie am ersten Tag. Am 2. September 1990, einen Monat nach der zwanzigsten Ratifikation trat sie dann in Kraft. Inzwischen haben alle Staaten der Welt das Übereinkommen unterzeichnet und alle – mit Ausnahme der USA – haben es ratifiziert.[2]

Es wird somit deutlich, dass die UN-Kinderrechtskonvention nicht nur für jedes einzelne Kind eine persönliche Verbesserung darstellt, sondern dass sie ein grundlegendes Umdenken für das emanzipatorische Hereinwachsen von Kindern in die Gesellschaft ist. Und sie haben ein Recht darauf, dass in der kulturellen Bildungspraxis ihre Rechte umfassend gewahrt sind. Nicht zuletzt unterstützt kulturelle Bildung Kinder darin, ihre Rechte zu artikulieren und im Alltag zu leben.[3]

Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention weist implizit darauf hin und spricht sich für die „kulturelle und künstlerische Betätigung“ von jungen Kindern aus – durch die Teilnahme und „Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben“ sowie die Bereitstellung entsprechender Möglichkeiten. Die Teilnahme am künstlerischen Leben – mit Zugängen und Zugangswegen – wird eindeutig festgeschrieben und verstanden als eine Umsetzung des Rechts auf kulturelle Bildung.

Hier kommt nun die Audiotour „Was ich seh! – Kinder sprechen über Kunst“ ins Spiel

Entstanden ist sie mit den Kindern und pädagogischen Fachkräften der städtischen Kita Kostheim und in Kooperation mit dem Hessischen Sozialministerium, Abteilung Kindertagesstätten im Rahmen des Wiesbadener „Sommer der sprachlichen Bildung“. Bei diesem stand die Relevanz von Sprache und Kommunikation als Schlüssel zur Welt und zu einem erfüllten Leben im interdisziplinären Fokus. Sprachliche Bildung lebt von Menschen, die zuhören, beobachten, ins Gespräch kommen und Kinder als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft wahrnehmen.

Dies war die perfekte Grundlage und ebenso eine publikumswirksame Gelegenheit, das Recht auf kulturelle Teilhabe mit dem Potential von Sprachanlässen an einer Kulturinstitution durch eine Audiotour von Kindern für Kinder und alle Interessierten umzusetzen.

Unsere Ausgangsfrage

Was denken zwei- bis sechsjährige Kinder beim Betrachten moderner zeitgenössischer Kunstwerke? Was würden sie sagen, wenn wir als verantwortliche „Vermittler:innen“ keinen Fokus setzen, es kein explizites Thema gibt und wir ausschließlich den Gedanken und Aussagen der Kinder folgen? Also ihnen „das Wort geben“, ihnen zuhören und nichts von unserem Wissen hinzufügen. Was erzählen sie? Haben die Kinder Fragen? Oder sind sie voller Hingabe im Prozess des staunenden, explorierenden Wahrnehmens?

Es lohnt sich sehr, besonders als Erwachsene, den faszinierenden Aussagen der zwei- bis sechsjährigen Kinder zuzuhören, was sie sehen, empfinden und sagen, wenn sie diese sechs Kunstwerke betrachten:

  1. Jupiter im Oktogon – Rebecca Horn
  2. Sieben Stunden, Acht Stimmen, Drei Bäume – Katharina Grosse
  3. Terforation – Angela Glajcar
  4. Rabenbaum & Im Kreis des Adlers – Rebecca Horn
  5. Salidas – David Novros
  6. Die Schwierigkeit des Zentauers beim vom Pferd steigen – Jochen Gerz

Denn – so der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, in Zeiten politischer Polarisierung und verhärteter Fronten ist echtes Zuhören fast eine aussterbende Tugend und eine Kunst des „Herausfindens“, ein Verstehen wollen.[4] Das entspricht der Haltung, mit der wir Kindern gegenübertreten und Position beziehen müssen, um ihr ganz konkretes Recht auf kulturelle Bildung an einem gesellschaftlich relevanten Kulturort wie einem Museum umzusetzen. [5]
»„Ich seh‘ die ganze Welt!“«
Eleyni, drei Jahre
»„Wenn das zu ist, dann bleiben alle stecken.“«
Shavez, fünf Jahre
Aufnahme währned der Aufnahmen zu Rebecca Horns Werk „Rabenbaum“, Foto: Museum Wiesbaden

Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation gefördert.

Der Audioguide ist in der MuWi-App verfügbar, die kostenfrei in allen gängigen App-Stores heruntergeladen werden kann. Sie finden ihn dort im Bereich „Für junge Menschen“. Über den untenstehenden QR-Code gelangen Sie direkt zum Start des Rundgangs.

Autorin:

Astrid Lembcke-Thiel
Referentin für Kulturelle Bildung

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