Im Rahmen der Ausstellung „Die Blauen Reiterinnen“, die zwölf Künstlerinnen aus dem Umfeld des Blauen Reiters in den Mittelpunkt stellt, zeigt die zeitgenössische Künstlerin Daniela Comani in der anschließenden Sammlungspräsentation ihre Intervention „Orlando’s Library“. Ihre Arbeit setzt sich mit den in der Ausstellung verhandelten Fragen von Sichtbarkeit und kunsthistorischer Zuschreibung auseinander.
Auf den ersten Blick erscheint die großformatige Arbeit wie eine beeindruckende Bibliothek: 240 Bücher reihen sich in acht Regalen aneinander. Erst bei näherer Betrachtung wird sichtbar, dass Comani die Buchcover verändert und die Titel bekannter Werke der Literatur- und Kulturgeschichte auf subtile Weise neu kontextualisiert hat.
Auch ein Buch mit dem Titel „Die Blaue Reiterin“ findet sich in dieser Bibliothek und schlägt damit eine direkte Brücke zur Ausstellung. Aus dem vertrauten „Blauen Reiter“ wird „Die Blaue Reiterin“: eine kleine sprachliche Verschiebung des Titels, die den Blick auf die Künstlerinnen im Umfeld des Blauen Reiters lenkt und zugleich die Frage aufwirft, wer in der Kunstgeschichte sichtbar bleibt und wer in den Hintergrund gerät.
Mit „Orlando’s Library“ lädt Daniela Comani dazu ein, genau hinzusehen und Vertrautes neu zu lesen. Was zunächst wie eine Bibliothek erscheint, wird so zu einem überraschenden Spiel mit Erinnerung, Geschlecht und kulturellem Kanon.
Daniela Comani arbeitet mit der Umdeutung bekannter Geschichten und Rollenbilder. Besonders durch den gezielten Wechsel von Geschlechterrollen macht sie sichtbar, wie Sprache unser Denken prägt und wie stark der kunst- und kulturgeschichtliche Kanon bis heute von männlichen Perspektiven bestimmt ist.