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Ost ⁄ West
Eduard Steinberg zwischen Moskau und Paris

13 Mär 2015 — 7 Jun 2015

Das Museum Wiesbaden präsentiert mit der Ausstellung „Ost/West. Eduard Steinberg zwischen Moskau und Paris“ die 2013 getätigte umfangreiche Schenkung der Witwe des Künstlers Galina Manewitsch. Mit den 83 gestifteten Werken (vornehmlich Gemälde/Collagen), die in zweijähriger kunsthistorischer Forschung wissenschaftlich aufgearbeitet wurden, sind in der Ausstellung alle Schaffensphasen des Künstlers vertreten und werden nun erstmals in sorgfältiger Auswahl öffentlich gezeigt.

Eduard Steinberg, dessen Werk in den großen Sammlungen Europas vertreten ist, wurde 1937 als Sohn eines intellektuellen Dissidenten in Russland geboren. Nach der Rückkehr des Vaters aus der Lagerhaft muss sich die Familie außerhalb Moskaus im Dorf Tarusa niederlassen. Hier wächst Steinberg in Kreisen verfemter intellektueller Russen auf, was seine spätere Kunst nachhaltig prägen sollte. Insbesondere der Kunst von Kasimir Malewitsch verpflichtet, beginnt Steinberg ein vornehmlich auf geometrische Tendenzen ausgerichtetes, malerisch äußerst dichtes Werk, das formal, aber auch inhaltlich an die Kunst des Gründers des Suprematismus anschließt und diese Richtung der Moderne in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kreativ führt. Aufgrund seiner Herkunft und der Abstraktion seiner Malerei beinahe jeglicher Ausstellungsmöglichkeit beraubt, bleibt Steinberg bis 1989 im Untergrund der osteuropäischen Kunstszene ein Geheimtipp. Im Jahr des Mauerfalls erhält er erstmals in Moskau eine Einzelausstellung, die sogleich einen großen Erfolg darstellt. Trotzdem zieht es ihn nach Paris, wo ihn eine renommierte Galerie fördert. Dort arbeitet er in den Wintermonaten, in den Sommermonaten lebt er, um Inspiration für sein Werk zu erfahren, in seinem Heimatdorf Tarusa.

Neben Alexej von Jawlensky und Ilya Kabakov fand mit Eduard Steinberg ein weiterer Maler, der zwischen Russland und Europa eine wesentliche künstlerische Transferleistung vollbrachte nun im Museum Wiesbaden seine „neue Heimat“. In Wiesbaden erfuhr Steinberg 1992 erstmals in Westeuropa Anerkennung. Er gewann die Ausschreibung zur Ausgestaltung des Treppenhauses der R+V-Versicherung, für das er vier wandfüllende Gemälde ausführte. Mit diesen Bildern setzt die Ausstellung fulminant ein und macht augenblicklich deutlich, dass das Museum Wiesbaden mit dem Schwerpunkt russischer Kunst im Zentrum Europas – zwischen Moskau und Paris – ein bedeutsamer Dreh- und Angelpunkt ist.

Als Einführung in die Ausstellung wird der neue Film „Edik Steinberg – Metageometrie/Brief an Malewitsch“ des Regisseurs Gilles Bastianelli (Paris) mit vielen O-Tönen des Künstlers gezeigt. 

Anlässlich unserer Ausstellung präsentiert die Caligari FilmBühne in ihrer Filmreihe „kunstvoll“ am Do, 14 Mai 2015, um 16:30 den Film „Andrej Rubljow“ von Andrei Tarkowski (UdSSR 1966, 183 Min.)
Eduard Steinberg äußerte sich im Jahr 2001 über den berühmten Ikonenmaler:
„Ja, Rubljow ist für mich zentral. In seiner Troica [Ikone] sehe ich die byzantinische und die europäische Tradition vereinigt. In ihrer Struktur, d.h. in der Zeichnung, bezieht sich diese Ikone auf Russland, aber in der Farbe, in diesem Blau und Rosa, nähert sie sich der italienischen Tradition an. Zum einen deshalb ist die Troica für mich eine wirklich wichtige Ikone. Zum anderen sehe ich in Rublev einen genialen Künstler.“

Do 28 Mai 19:00
Vortrag „Eduard Steinberg — Ein Malewitsch des ausgehenden 20. Jahrhunderts?“
mit Hans-Peter Riese, Berlin

Die Ausstellung wird unterstützt durch die

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