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Was macht eine
Depotverwalterin?

Ordnung ist das halbe Leben! Immer wieder werden Objekte neu erfasst oder umsortiert. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Nicht nur „Nachts im Museum“, sondern auch tagsüber ein cooler Job.

Seit knapp einem Jahr darf ich mich nun schon mit Stolz „Depotverwalterin der Naturhistorischen Sammlungen des Museum Wiesbadens“ nennen. Kaum jemand scheint zu wissen, was sich dahinter verbirgt, denn ich werde immer mal wieder gefragt: „Was machst du da eigentlich genau?“

Lassen Sie mich Ihnen mit diesem Beitrag einen Einblick in meine Arbeit und das Reich hinter den Kulissen des Museums gewähren.

Die Depots sind das Herz der Naturhistorischen Sammlungen. Insgesamt lagern dort rund 1,2 Millionen Objekte aus den Bereichen Allgemeine Geologie, Mineralogie, Paläontologie, Botanik, Zoologie und Ethnologie. Über all diese Objekte muss ich den Überblick haben, für ihre Sicherheit sorgen und neuen Objekten einen Platz zuweisen.

Doch als ich einmal Externen zu erklären versuchte „Ich betreue die Naturhistorischen Sammlungen“, musste ich mir anhören: „Ach, du läufst da mit dem Staubwedel zwischen toten Tieren herum?“

Rund 20.000 Wirbeltierpräparate lagern in diesem Depot. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Rund 20.000 Wirbeltierpräparate lagern in diesem Depot. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Natürlich müssen die Exponate im einwandfreien Zustand gehalten werden. Um etwa Schädlingsbefall zu erkennen, dürfen kein Staubkörnchen oder sonstige Verschmutzungen irritieren. Da man die Sammlungsstücke mit viel Feingefühl und Respekt behandelt, ist es wohl selbsterklärend, dass ein „Staubwedel“ hier nichts zu suchen hat. Zur Erhaltung der Objekte gehören auch die optimalen klimatischen Bedingungen im Magazin. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichteinstrahlung müssen immer überwacht werden. 

Es geht in meinem Job also darum, fragile unersetzliche Präparate engmaschig zu kontrollieren. Damit diese lange erhalten bleiben, ist die Schädlingsbekämpfung ein wichtiger Aspekt. Wir sind stolz behaupten zu können, dass wir schon immer ohne giftige Insektizide arbeiten. Selbst zu Zeiten, als Lindan oder DDT noch erlaubt waren. Zum Einsatz kommen beispielsweise Lavendelöl und natürliche Feinde der Schädlinge, wie Schlupfwespen. Solch ein Vorgehen ohne Gift ist nur möglich, indem ich alle Insektenkästen, Schubladen und sonstige Standorte genau beleuchte und unter die Lupe nehme, damit Speckkäfer, Museumskäfer, Motten und Papierfischchen keine Chance haben. Das ist mühsam, doch da ich an meiner vorherigen Stelle als biologisch-technische Assistentin bereits Schadinsekten untersucht habe, nehme ich diese Herausforderung gerne an.

Eine mögliche Quelle für Schädlinge sind ausgeliehene Objekte oder Präparate, die frei in unseren Ausstellungen stehen. Selbst wenn an ihnen kein Fraß zu sehen ist, kommen die Exemplare zur Sicherheit in Quarantäne, bevor sie wieder im Magazin gelagert werden dürfen. Das heißt, wenn eine unserer Sonderausstellungen schon abgebaut ist und Sie als Besucher*in vielleicht sogar schon die neue Ausstellung bewundern dürfen, fängt meine Arbeit erst richtig an. Kleine und mittelgroße Objekte kommen bei uns in Kühltruhen – zweimal müssen sie eingefroren werden, um sicher alle Schadinsekten zu erwischen. Große Objekte und Gegenstände aus Holz müssen hingegen begast werden. Diese transportieren wir dann zum Hessenpark nach Neu-Anspach, denn dort gibt es eine Stickstoffkammer. So musste sich zum Beispiel unser Schwarzbär, von Motten geplagt, letztes Jahr auf eine kleine Reise begeben. Solch ein Transport muss natürlich gut vorbereitet sein und alles muss gut verpackt werden. Immerhin darf nichts kaputtgehen, da wir das Tier nach der Behandlung genauso schön wieder in der Ausstellung bestaunen wollen, wie vor dem Befall.

 

In meinen Tätigkeitsbereich fällt auch die Organisation des Leihverkehrs. Alle Ausleihen müssen abgeklärt und dokumentiert, Termine müssen abgestimmt und der Hin- und Rücktransport vereinbart werden. Zum Beispiel haben wir kürzlich vom Mainzer Naturkundemuseum völkerkundliche Objekte aus Ruanda für die Erweiterung unserer Ethnologischen Sammlung erhalten. Die gesamte Sammlung in diesem Bereich wird bei uns zurzeit neu auf- und umgebaut.

Doch nicht immer geht es um Präparate. Sämtliche Sockel, Vitrinen und weiteres Zubehör müssen hinter den Kulissen gelagert werden. Dafür gibt es extra ein Außendepot. Zugegeben, ich war anfangs etwas überrascht, als es hieß „Mach doch mal bitte einen Gabelstaplerschein!“ Im Nachhinein finde ich diesen, in Anbetracht unserer Hochregale, durchaus sinnvoll.

Beim Ausstellungsauf- und abbau bin ich sehr mit eingespannt. Und das nicht nur, weil ich Regie über den technischen Ablauf führe. Neben der oben genannten Quarantäne, dem Bereitstellen neuer Präparate, der Lagerung und Zurverfügungstellung von weiterem Ausstellungsbedarf, verwalte ich sämtliche Werkzeuge und packe bei praktischen Arbeiten mit an. Ich habe also nicht nur den Überblick, wo sich welche Präparate in unserer Sammlung befinden, sondern weiß auch über nahezu alle anderen Utensilien Bescheid.

Besonders freue ich mich darüber, dass ich bei der Planung von Sonderausstellungen mit einbezogen werde. So durfte ich in der jetzigen Ausstellung „Den Schmetterlingen auf der Spur“ eine Vitrine selbst gestalten und ab und zu kleine Vorträge dazu halten. Sehr gerne organisiere ich dort momentan auch die Bereitstellung und Versorgung unserer lebenden Raupen.

Bei all unseren Aufgaben im Museum unterstützen uns viele Ehrenamtliche, ohne deren Hilfe Vieles nicht machbar wäre. Ich stehe als Ansprechpartnerin zur Verfügung, wenn es in diesem Bereich um Materialbeschaffung- und transport oder andere interne Absprachen geht, damit alles reibungslos funktioniert.

Zu guter Letzt gibt es noch das Projekt mit unserem 3D-Drucker und Scanner. Dort befinden wir uns noch in der Testphase mit zwei verschiedenen Druckermodellen. Unser Plan ist es, bald einige Modelle für Ausstellungen selbst ausdrucken zu können.

Selbstverständlich sollte man für meinen Job eine gewisse Leidenschaft und Interesse mitbringen. Es ist eben nicht einfach „zwischen toten Tieren herumlaufen“. Es ist das „Auge-in-Auge-sehen“ mit dem ausgestorbenen Java-Tiger, Kaplöwen oder Quagga. Es ist das besondere Gefühl, das Kästchen eines vor rund 320 Jahren gefangenen Schmetterlings von Maria Sibylla Merian in den Händen zu halten. Es sind die Geschichten hinter den Objekten und das Bewahren von Kulturgut aus dem naturkundlichen Bereich. Es ist die Verantwortung, die ich dafür trage. Letztendlich ist es auch das Vermitteln von Wissen über die Natur an unsere Besucher*innen. Für mich auf jeden Fall, kein Job wie jeder andere.

Frisch eingetroffen! Einige unserer Exponate aus Ruanda. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Frisch eingetroffen! Einige unserer Exponate aus Ruanda. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Verena Seiffert

Depotverwalterin

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