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Fluxus at 50

2 Mär 2012 — 24 Jun 2012

Vom 1. bis zum 23. September 1962 fanden im Museum Wiesbaden die Fluxus Internationalen Festspiele Neuester Musik statt. Die Konzerte, die an vier Wochenenden mit meist zwei Programmen im Vortragssaal des – damals noch städtischen – Museums aufgeführt wurden, markieren die Geburtsstunde der Fluxus-Bewegung, die hier zum ersten Male öffentlich unter diesem Namen auftrat.Begründer von Fluxus war der gebürtige Litauer George Maciunas, der seit Ende 1961 in Wiesbaden lebte und die Festspiele ins Leben rief, um finanzielle Mittel und Aufmerksamkeit für ein von ihm unter dem Namen Fluxus geplantes Kunstmagazin zu erlangen.
Die von Maciunas nach Wiesbaden eingeladenen Künstler waren europäische Avantgarde-Musiker und eine Gruppe junger Amerikaner, die dem New Yorker Umfeld des Komponisten und Musiktheoretikers John Cage zugehörten.Dessen Überlegungen zu Klang, Stille, Zufall und den räumlichen Aspekten von Musik sollte die Arbeit dieser jungen Künstler stark prägen. So elektrisierte Cages Komposition 4’33’’, uraufgeführt 1952, die junge Komponistengemeinde, die von hier ausgehend Stücke entwickelte, welche die Psychologie des Hörens und die Interaktion von Publikum und Aufführendem ausloteten.

In musikalischer Parallelität zu Marcel Duchamps Objet trouvé erweiterte Cage den Musikbegriff durch den Einbezug natürlicher, oder ‚gefundener’ Geräusche in seine Kompositionen, was bahnbrechende Folgen für die Generation der Fluxus-Musiker hatte.

Eines der prägnantesten in Wiesbaden aufgeführten Stücke war Philip Corners Piano Activities, die im Sinne John Cages vorsehen, dass mehrere Spieler einen Flügel auf andere Weise, als durch das Bespielen der Tastatur – also etwa durch Bearbeitung der Klaviersaiten oder des Korpus mit verschiedenen Werkzeugen – zum Klingen bringen.

George Maciunas’ Wiesbadener Interpretation dieses Stückes führte allerdings zur völligen Zerstörung des Flügels durch Hämmer, Sägen und Brechstangen, da er sich den Abtransport des Instrumentes nicht leisten konnte. Diese legitime Interpretation führte zum Weltruhm der Komposition.

Fluxus ist aufführbare und ausführbare Kunst, in deren Zentrum die Idee der Teilnahme und die Überführung der Kunst ins tägliche Leben stehen. Ähnlich wie im von Allan Kaprow entwickelten Happening ist die Schranke zwischen Künstler und Publikum beseitigt, da Fluxus-Partituren von jedem aufführbar sind.

Die Performance-Anweisungen oder Event Scores von Fluxus haben gemeinsam, dass sie einfache und alltägliche Verrichtungen ausführen lassen, die durch den Aufführungscharakter eine neue Bedeutung gewinnen. Das künstlerische Objekt ist dabei nachrangig und wie etwa bei Nam June Paiks Zen for Head, das Produkt einer Aufführung.

Fluxus at 50 widmet sich im ersten Teil der Ausstellung den Internationalen Festspielen im Vortragssaal des Museum Wiesbaden und den an ihnen beteiligten Fluxus-Künstlern. Neben den aufgeführten Stücken werden in einem labyrinthischen Durchgang ausgewählte Werke der Beteiligten vorgestellt. Der zweite Teil der Ausstellung stellt die nach den Wiesbadener Festspielen zur Gruppe gestoßenen Künstler mit wichtigen Werken vor.