GIFT

Tödliche Gaben

20 Mär 26 — 4 Apr 27

Grüne Mamba ⁄ Western green mamba, Foto ⁄ Photo: © iStock.com ⁄ looderoo

Ob tödlich oder heilend — Gifte erzählen Geschichten von Macht, Schutz und Erkenntnis

Das Gift des Roten Fingerhuts wird bei Herzinsuffizienz eingesetzt. Foto: Museum Wiesbaden / Dirk Uebele

Die Sonderausstellung „GIFT — Tödliche Gaben“ im Museum Wiesbaden verbindet Natur, Kultur und Wissenschaft auf vielfältige Weise. In der Natur übernehmen Gifte unterschiedliche Funktionen: Sie dienen dem Schutz vor Fressfeinden wie bei den Baumsteigerfröschen oder ermöglichen den Beutefang wie etwa bei der Kobra.

Begleiten Sie uns auf einem Streifzug durch die Welt der giftigen Tiere, Pflanzen, Pilze und Umweltsünden. Lernen Sie unterschiedliche Strategien des Gifteinsatzes kennen, überwinden Sie „toxische“ Hindernisse und lösen Sie knifflige Rätsel. Doch Vorsicht — lassen Sie sich dabei nicht vergiften!

Die Ausstellung vereint unterschiedlichste Perspektiven: Sie zeigt nicht nur die beeindruckende Vielfalt giftiger Organismen, sondern beleuchtet auch den menschlichen Umgang mit dem Giftigen. Ein Blick in die Medizin verdeutlicht, dass Gifte nicht nur töten, sondern auch heilen können.

Zahlreiche Arzneimittel basieren auf ursprünglich toxischen Substanzen — etwa das Digitoxin aus dem Fingerhut.

 „Alle Ding sind Gift und nichts ohn Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Paracelsus (1493—1541), Schweizer Arzt, Alchemist, Astrologe und Philosoph

Das neurotoxische Gift der schwarzweißen Kobra führt zu Lähmungserscheinungen. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Leben mit Gift und Anpassung an Gift

Die Kobra setzt Nervengifte ein, die Muskelrezeptoren blockieren. Die Manguste kontert mit leicht veränderten Rezeptoren, an denen das Gift schlechter haftet. Ganz immun ist sie nicht, doch dichter Pelz, schnelle Sprünge und gezielte Gegenangriffe erhöhen ihre Chancen. So treiben sich beide Arten über Generationen an — kein endgültiger Sieg, nur ein Wettlauf ohne Schlusspfiff.

Die knalligen Farben der Pfeilgiftfrösche warnen: „Lass mich in Ruhe!“ Wird ein Frosch dennoch gefressen, schmeckt sein Hautsekret bitter und kann Übelkeit, Erbrechen oder Lähmung auslösen. Räuber meiden danach ähnliche Farben. Den Namen tragen die Pfeilgiftfrösche übrigens, weil indigene Völker in Südamerika ihr Hautsekret auf Pfeile streichen, um diese anschließend bei der Jagd einzusetzen.

Auch die Prachtanemone nutzt Gift zum Jagen und zur Verteidigung. Ihre Tentakel betäuben kleine Fische, Krebse und Plankton. Clownfische jedoch sind durch eine Schleimschicht geschützt und leben zwischen den Tentakeln. Dort finden sie Schutz und verteidigen die Anemone – ein Beispiel für eine gelungene Symbiose.

Schützen und Angreifen

Die Gifte bleiben sogar nach Kochen oder Trocknen wirksam. Hier ist also Vorsicht geboten.

Auch Tiere nutzen Gift. Der Komodowaran galt lange als Jäger, dessen Biss bakterielle Infektionen verursacht. Doch Forschende entdeckten, dass er eigene Giftdrüsen besitzt. Sein Gift hemmt die Blutgerinnung und senkt den Blutdruck der Beute, bis sie stark geschwächt ist. Viele andere Tiere wie Schlangen, Spinnen und Skorpione nutzen ebenfalls Gifte zur Jagd.

Selbst manche Säugetiere sind giftig. Spitzmäuse betäuben Beute mit ihrem Speichel und der Plumplori ist der einzige bekannte Primat mit Gift. Er nutzt es jedoch nur zur Verteidigung. Dabei mischt er ein Sekret aus einer Drüse in seiner Armbeuge mit Speichel und bringt es auf seine Zähne. Ein Biss kann starke Schmerzen und Entzündungen auslösen. Außerdem reibt der Plumplori das Sekret in sein Fell und in das seiner Jungtiere, vermutlich als Schutz vor Parasiten und Fressfeinden.

Gift ist also nicht nur gefährlich, sondern für viele Arten überlebenswichtig.

ein Plumploripräparat aus der Ausstellung

Vergiftung und Entgiften

Im Lauf der Entwicklung haben Menschen unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit Giftstoffen umzugehen. Der Mensch entwickelte jedoch auch andere Strategien. Seit 1730 nutze man beispielsweise Kanarienvögel als Warnvögel im Bergbau um dem Ersticken durch eine Kohlenmonoxidvergiftung zu entgehen. Heutzutage übernehmen entsprechende Warnmelder diese Rolle.

In der Evolution des Menschen war die Beherrschung des Feuers ein entscheidender Schritt, um zuvor Ungenießbares oder gar Giftiges als Nahrungsmittel erschließen zu können. Zudem besitzen moderne Menschen eine genetische Mutation, die sie deutlich unempfindlicher gegen Schadstoffe aus Holzrauch macht.

Gift spielte zugleich in Medizin und Aberglauben eine Rolle. Die „Einhorn-Apotheken“ erinnern daran, dass in der Neuzeit Narwalhörnern oder fossile Haifischzähnen eine Schutzwirkung vor Vergiftungen zugesprochen wurde. Heute nutzt man wissenschaftlich belegte Mittel: Aktivkohle etwa bindet Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt, Gegengifte helfen dagegen bei einer akuten Vergiftung wie etwa das Silibinen bei einer Knollenblätterpilzvergiftung.

Die Schwarze Tollkirsche enthält stark wirksame Nervengifte wie Atropin und Scopolamin. Schon wenige Beeren können gefährlich sein. In kontrollierter Dosis dienen ihre Wirkstoffe jedoch bis heute als Arzneimittel.

Modell einer Tollkirsche
Modell eines Knollenblätterpilzes

Umweltgifte

Heute ist das Schweinfurter Grün verboten. In der Ausstellung ist eine Nachbildung einer Tapete aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, die dieses Pigment enthält.

Auch in der Landwirtschaft kommen seit Langem Gifte zum Einsatz, um Erträge zu steigern. Gegen Schadinsekten, Unkraut und Pilzkrankheiten werden Pestizide verwendet — oft mit Folgen für die Umwelt. Schon 1962 warnte Rachel Carson vor den Risiken eines leichtfertigen Biozideinsatzes. Dennoch werden weltweit weiterhin neue Wirkstoffe entwickelt und eingesetzt.

Ein Beispiel sind Neonikotinoide, welche für Insekten enorm schädlich sind und lange in Böden nachweisbar bleiben. Auch andere Stoffe können problematisch sein: PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“, sind wasser- und fettabweisend sowie sehr stabil. Sie können sich in Trinkwasser und Luft anreichern und stehen im Verdacht die Leber zu schädigen und Krebs zu verursachen.

Unser Führungs- und Workshopprogramm zur Ausstellung

Blauer Baumsteiger. Foto: Museum Wiesbaden ⁄ Bernd Fickert


Eine Ausstellung für jedes Alter

Die Ausstellung richtet sich an ein breites Publikum: Von den Jüngsten bis zu den Ältesten, vom Individualbesucher bis zu Schulklassen und Kitas. 

Mitmachstationen — Erleben, Handeln und Forschen

Einfache Texte und Quiz
Einfache — für Kinder verständliche — Texte führen durch die gesamte Ausstellung und geben dabei den ein oder anderen Tipp zum Lösen des Quizzes.

Medienstation 
An dieser interaktiven Medienstation können verschiedene Gifte erforscht werden. Wie wirken sie in unserem Körper? Wann sind sie giftig? Ob ein Stoff giftig wirkt, kann z. B. davon abhängen, wie er in den Körper gelangt.

Ratebox 
Wer ist giftig? Wer ist harmlos? Manche Erkenntnis kann überraschen.

Rätselwand
Fragen rund um das Gift gilt es zu lösen. Die Antworten verbergen sich in kleinen Schaukästen hinter den Türen.

Zahlreiche weitere Mitmachstationen
• Maltisch • Puzzlestation • Lese-Ecke

Unser Quiz zur Ausstellung 

Hier können Sie das Quiz und die richtigen Lösungen dazu herunterladen.

Begleitend zur Ausstellung gibt es einen App-Rundgang, der ausgewählte Inhalte vertieft.

Begleitprogramm

VORTRÄGE

in Zusammenarbeit mit dem Nassauischen Verein für Naturkunde

Di 12 Mai, 18:00
Tiergifte — Evolution, Wirkstoffsuche, Anwendung
Mit Dr. Tim Lüddecke, Justus-Liebig-Universität Gießen

Di 9 Jun, 18:00
Steril statt Gift: Insektenbekämpfung mit Präzision und ohne Nebenwirkungen
Mit Dr. Marc Schetelig, Justus-Liebig-Universität Gießen

Di 8 Sep, 18:00
Schadstoffe als Zeitbomben im Sediment
Mit Prof. Dr. Henner Hollert, Goethe Universität Frankfurt

Di, 13. Okt 26, 18:00
Giftpilze und Pilzgifte

Mit Hermine Lotz, Goethe Universität Frankfurt

GIFT FILMREIHE im Caligari

Fr 18 Sep 26
Di 17 Nov 26
Mo 18 Jan 27
Fr 19 Mär 27
Nähere Informationen folgen in Kürze

PARTY

Museum Wiesbaden X Schlachthof Sounds
Sa 25 Apr 26, ab 20 Uhr
feat. Bitter End
Indie / Rock'n'Roll / Alternative / 80ies / Soul Party im MUSEUM WIESBADEN
Tickets und alle wichtigen Infos gibt es hier

Schlafmohn. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Schlafmohn. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

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